New Queer Cinema
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Das Gartenbaukino widmet sich 2026 jenem Jahrzehnt, in dem das Wort radical beinahe inflationär verwendet wurde, zumindest in den USA. Wir gehen auf Tuchfühlung: Was machte die 90er so radical, was zeichnete dieses Jahrzehnt filmisch aus?
Das dritte Programm der RADICAL 90s übernimmt da, wo das erste mit Gregg Arakis “TEEN APOCALYPSE” Trilogie aufgehört hat: Es nimmt die Wucht des New Queer Cinema an der Hand, erlaubt aber gleichzeitig einen kurzen Moment des Aufatmens. Vorhang auf für: Unapologetic queerness meets radical softness.
Die neue, queere Welle der 1990er ist aus Notwendigkeit selbstbewusst und bietet eine große Bandbreite, wo’s um viel mehr geht als das blanke (Nicht-)Überleben. Nach Arakis nihilistischem Wirbelsturm räumen wir der Zärtlichkeit, der Hoffnung und jenen Filmen Platz ein, die sich trauen, trotz trostloser Umstände einen Blick in eine mögliche Zukunft zu werfen.
New Queer Cinema heißt: Eine queere Community, die an einer apathischen Gesellschaft inmitten der AIDS-Pandemie zu zerbrechen droht, nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und erzählt Geschichten, mit denen wir uns identifizieren dürfen, aber nicht müssen. Sie ermöglichen Repräsentation, machen Lebensrealitäten erstmals kompromisslos sichtbar für alle - und nicht mehr nur für die, die bisher gezwungen waren, filmgeschichtlich zwischen den Zeilen zu lesen.
Das celluloid closet wird also aufgebrochen, verbrannt, es gibt kein Zurück. Menschen vor und hinter der Kamera verstecken sich nicht mehr, sondern verarbeiten selbstbestimmt ihre eigenen Schicksale, würfeln bekannte Erzählstrategien durcheinander und machen in Form von Indie-Produktionen ihr komplett eigenes Ding. Radical sind sowohl die Handlung, die Figuren, die Bildsprache, der Schnitt, das non-lineare Erzählen als auch die allgemeine Ästhetik. Die gesamte mise-en-scène ist experimentell, neu, mutig, und - nun ja: unmissverständlich queer.
Texte: Anna Radak