Lisa Großkopf: Stabile Performance
Zeitgenössische Kunst Performance Kunst Ausstellung
Verbindung zu esel.at
kuratiert von Andrea Popelka
Die Ausstellung Stabile Performance befasst sich mit den multiplen Bedeutungen des Begriffs „Performance“, der in unterschiedlichen Feldern – von der Kunst über die Arbeit bis hin zum Finanzkapital – verwendet wird. Im ökonomischen Sinn bezeichnet Performance die Effizienz und Profitabilität beispielsweise eines Unternehmens, einer Aktie oder einer individuellen Arbeiterin. Wie verhält sich diese ökonomische Bedeutung zu jener, die in der Kunst gebräuchlich ist? Und welchen Einfluss nehmen beide auf unser Privatleben und unser Selbstverständnis? Autor*innen wie Marina Vishmidt, die hier zitiert wird, haben argumentiert, dass die Performancekunst historisch neuere Arbeitsformen vorwegnahm, indem sie „einen Wandel hin zu (Selbst-)‚Performance‘ als Bewertungsmaßstab aller Arbeit voraussagte“.
Vor diesem Hintergrund untersucht Lisa Großkopf das zeitgenössische Subjekt, das sich im Streben nach besserer Performance einem endlosen Optimierungsprozess unterwirft – zum Beispiel im Bereich der Schönheit. Sie verbindet dies mit der ökonomischen Figur der Künstler*in, hier vertreten von Marina Abramović, deren Name und isoliertes, ätherisches Märtyrertum insofern Bedeutung haben, als sie helfen, ein größeres Phänomen zu verstehen. Großkopf interessiert sich für selbstzugefügten Schmerz – sei es in semi-gewaltsamen Gesichtsbehandlungen oder in Abramovićs körperlichen Grenzerfahrungen – und danach, wie solche Praktiken mit Arbeit und ihrer potenziellen Endlosigkeit zusammenhängen. Wie viel lässt sich aus einem Körper herausholen?, scheinen diese Praktiken zu fragen. Warum versuchen wir überhaupt, Körper auf diese Weise auszupressen? – das ist Großkopfs Gegenfrage.
Diesen Interessen folgend reflektiert die Künstlerin auch die materiellen Bedingungen, die die Produktion von Ausstellungen und Performances ermöglichen. Eine ihrer Strategien besteht darin, sich verschiedene Formen von Arbeit mimetisch anzueignen oder sie selbst auszuüben, etwa indem die Künstlerin als Museumsaufsicht tätig wird. Durch die Gegenüberstellung von Kunst und Arbeit legt sie strukturelle Ungleichheiten des Feldes offen. Wie bereits oben erwähnt: Welche Vorstellungen von Arbeit werden im Feld der Kunst produziert, die anschließend die gesamte Ökonomie durchwirken? Und wie werden jene, die in diesem Feld tätig sind, ausdifferenziert, behandelt oder verdrängt – sei es durch Institutionen oder durch Künstler*innen selbst, die ihre künstlerische Arbeit zum Teil an andere delegieren?
Während der Eröffnungstage der Ausstellung bilden – in Anlehnung an Marina Abramovićs und Ulays berühmte Performance Imponderabilia von 1972 – zehn Performer*innen einen schmalen Durchgang, den die Besucher*innen passieren müssen. Durch die Einbeziehung von Aussagen der Performer*innen über ihre Arbeit und deren Bedingungen thematisiert die Performance Kernthemen wie Ausbeutung und Autor*innenschaft auf zugleich kritische und humorvolle Weise. Mit ihrer Aneignung von Imponderabilia und anderen Werken Abramovićs unterstreicht Großkopf die Tendenz der Performance, sich zu verbreiten und als offene Partitur der Interpretation all jenen zu dienen, die sie aufgreifen, und verweist zugleich auf ihre Vereinnahmung durch Kapital und Kunstinstitutionen.
In diesem Rahmen untersucht die Ausstellung, wie Performancekunst – ein zeitbasiertes und körpergebundenes Medium – in institutionellen Kontexten präsentiert, vermittelt und kommodifiziert wird. Ein Shop am Ende des Rundgangs reflektiert diese Prozesse weiter, indem er die vermeintliche Trennung zwischen Ausstellungsraum und Verkaufsraum augenzwinkernd infrage stellt.
Ausstellungsdauer | 28.02. – 10.05.2026
Landesgalerie Burgenland | Hauptraum