In Person: Tiffany Sia
Zeitgenössische Kunst Film Diskussion Screening
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Das Werk der in Hongkong geborenen Künstlerin und Filmemacherin Tiffany Sia umfasst Film, Installation sowie Text und verbindet visuelle Erzählformen mit kritischer Theorie. Ausgehend von historischen Recherchen, Archivmaterial sowie Feld- und Tonaufnahmen untersucht sie, wie Bilder und Texte Geschichte formen – und wo offizielle Dokumente und visuelle Aufzeichnungen an ihre Grenzen stoßen.
Dabei greift Sia auf filmische Traditionen vom Roadmovie über den Landschafts- und Reisefilm bis zur dokumentarischen Reportage zurück und setzt deren Konventionen neu zusammen. Ihrer Praxis liegt die Überzeugung zugrunde, dass Räume niemals neutral, sondern stets konstruiert, erinnert und umkämpft sind. Ein besonderes Augenmerk gilt den geopolitischen Teilungen des Kalten Krieges sowie der Frage, wie Medien, Recht und Geografie unsere Wahrnehmung von Geschichte und politischen Räumen prägen. Sias Arbeiten sind international im Ausstellungs- und Filmkontext präsent. Overt Listening (2026) steht auch im Zentrum ihrer Einzelausstellung in der Kunsthalle Wien.
Jüngere Einzelausstellungen hatte sie im Cantor Arts Center und MUDAM Luxembourg (beide 2025) sowie im Artists Space New York (2021). Ihre Arbeiten wurden u.a. im MoMA PS1 und Museum Brandhorst (2026) sowie in der Fondazione Prada und im MoMA (2023) gezeigt. Ihre Filme liefen u.a. beim Glasgow International Short Film Festival (2026), Toronto International Film Festival (2024, 2022) und New York Film Festival (2026, 2022, 2021). 2022 erhielt Sia den George C. Lin Emerging Filmmaker Award. Sie ist Autorin von On and Off-Screen Imaginaries (Primary Information, 2024). (Carina Bukuts)
In Anwesenheit von Tiffany Sia
In Kooperation mit der Kunsthalle Wien, wo von 13.11.2026 bis 24.1.2027 die Ausstellung Tiffany Sia. Overt Listening zu sehen ist.
Overt Listening
Tiffany Sia, US/AT/DE 2026. DCP, Farbe, 85 min. Englisch/Mandarin/Taiwanisches Hokkien
Kinmen ist eine Inselgruppe vor Taiwan, wenige Kilometer von der chinesischen Küste entfernt. Overt Listening (2026), Tiffany Sias erster Langfilm, ist ein Essay, der durch Kinmens unberührte Küsten, Bunkerattraktionen, Militärstollen und Kreisverkehre mit Statuen von Chiang Kai-shek und Sun Yat-sen führt – Stätten, die von Taiwans Nationalparkbehörde erhalten werden und die Kinmens Geschichte des Kalten Kriegs zum Spektakel und Gedenkort erstarren lassen. Statt gesprochener Sprache nutzt Tiffany Sia, in Anlehnung an den Stummfilm, Zwischentitel als Zwischenstimme: historische Aufzeichnung, unterdrücktes Zeugnis und das Verschwiegene der Landschaft zugleich. Während die Jahre von 1989 bis 1991 gemeinhin als Phase der Entspannung des Kalten Kriegs gelten, erkennt der Film ein andauerndes, schwer fassbares Paradigma. Er stützt sich auf akustische Erscheinungsformen – Stille, Signal, Geräusch, Gesang –, wobei militärische Aktivität in der Ferne hörbar, aber unsichtbar bleibt, und Stille unfriedlich ist. (C.B.)
Tiffany Sia im Gespräch mit Carina Bukuts