Honoris causa 2026
Geschichte Theorie Bildende Kunst Konferenz Diskussion
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Die Akademie der bildenden Künste Wien bemüht sich seit 2023 mit der Tagungsreihe honoris causa um die Aufarbeitung ihrer Vergangenheit in Austrofaschismus und Nationalsozialismus.
Die diesjährige Tagung wird mit Jan Machaceks Performance Axelmanns Fall in der Aula eröffnet. Am Tag darauf findet die Tagung ganztätig statt, Themen sind unter anderem faschistische Kunst- und Literaturgeschichte, Absolventinnen der Meisterschule für Architektur (1930–1950) und der Tiergarten im Prater, auf dessen Gelände heute das Bildhauereigebäude der Akademie steht.
Programm:
9:30 h: Welcome und Einleitung
9:45–10:30 h: Heidi Schatzl: Alexander Popp, der Nazi-Architekt, um den man nicht herumkommt.
Im Zuge meiner Beratung von Jan Machacek zu Axelmanns Fall muss ich eines festhalten: Ich habe nie zu Alexander Popp gezielt geforscht; alles, was ich über ihn weiß, hat sich mir im Zuge meiner Feldforschung „Vom Leben in den Hitlerbauten“ (2009) als auch durch unbekannte Fundstücke während der Recherche aufgedrängt. Alexander Popp brachte es mit seiner Mitarbeit bei Peter Behrens an der Linzer Tabakfabrik nur zu architektonischer Meisterleistung; seine politische Legitimation erlangte das Mitglied der verbotenen NSDAP vielmehr durch den Sturz der Wiener Secession. Das Symbol für Kunst und Kultur, das vom jüdischen Magnaten Karl Wittgenstein finanziert worden war, brachte Popp als deren Präsident von 1936 bis 1938 institutionell zu Fall.
10:30–10:45 h: Pause
10:45–12:45 h: Friederike Sigler, Birgit Peter, Eva Waibel: Akademische Praktiken völkisch-faschistischer Ästhetik Moderation: Vida Bakondy
Mit dem Literaturwissenschaftler Heinz Kindermann und dem Kunsthistoriker Karl Ginhart finden sich gleich zwei Wissenschaftler, die in der 1. Republik an der Akademie der bildenden Künste an der Herausbildung völkischer und faschistischer Disziplinen mitwirkten. Wir möchten zeigen, wie sich völkische Narrative und faschistische Praktiken in ihren wissenschaftlichen Tätigkeiten abzeichneten, diskutieren, wie eine völkisch-faschistische Wissenschaft gestaltet ist und fragen, inwieweit sie im Postnazismus nachwirkte.
12:45–14 h: Mittagspause
14–15 h: Angelika Schnell, Antje Lehn mit Studierenden des IKA: Meisterschule für Architektur. Biografische und gesellschaftliche Verflechtungen von Absolventinnen im Zeitraum 1930–1950.
Einblicke in das Recherche- und Studienprojekt “Is She an Architect? A Letter to History”.
15–15:15 h: Pause
15:15–16 h: Ruth Sonderegger, Jakob Krameritsch: Thiergarten im Prater
Das Gebäude für die Bildhauereiklassen der Akademie steht auf dem Gelände des ehemaligen „Thiergartens am Schüttl“, einem Zoo im Prater, der sich im späten 19. Jahrhundert als bürgerlich-modernes Gegenstück zur kaiserlichen Menagerie in Schönbrunn zu etablieren versuchte. Ab 1896 spezialisierte sich dieses Unternehmen auf die Schaustellungen von rassialisierten, exotisierten und infantilisierten Menschengruppen in einem bis dahin einzigartigen Ausmaß in Europa. Aufgabe der Menschengruppen war es, Rückständigkeit zu performen. Diese von epistemischer Gewalt durchzogenen human displays dienten der Stabilisierung kolonialer Hierarchien. Nichts im öffentlichen Raum erinnert an diese Edutainmentspektakel, die einen Kulminationspunkt österreichischer Kolonialgeschichte darstellen.
16 h: Abschlussdiskussion