Freies Kino: Johannes Gierlinger

Generationen von Bildern
Film Screening
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1 Termin
Dienstag 10. Februar
10. Feb.
Di
20:00
Screening
Stadtkino

Ein essayistischer Film über die historischen, visuellen und mentalen Transformationsprozesse Albaniens vom kommunistischen Regime Enver Hoxhas bis in die Gegenwart.

Ausgangspunkt ist ein Gedicht aus der Zeit der Diktatur, dessen Bedeutung bis heute ambivalent bleibt: regimetreues Schlaflied oder verschlüsselter Aufruf zur Revolution. Diese Mehrdeutigkeit bildet das poetische und politische Zentrum des Films. Ausgehend von Archivmaterial, privaten und offiziellen Bildern des kommunistischen Albanien, sowie neu gedrehten 16mm-Aufnahmen der Gegenwart verfolgt der Film die Spuren von Geschichte dort, wo sie sich eingeschrieben hat: in Abbildungen, Monumente, Gedichte, Filme, Bücher und Museen ebenso wie in Leerstellen, verdrängte Orte und nicht erzählte Geschichten. Jubelnde Massen, Propagandaparaden und heroische Gesten stehen neben den Berichten politisch Verfolgter, Erinnerungen an Internierungslager wie Tepelenë und Grabian sowie den Reflexionen einer jungen Generation, die den Kommunismus nicht erlebt hat, aber mit seinen Nachwirkungen lebt.

Der Film legt offen, wie Geschichtsbilder entstehen, weitergegeben, umgedeutet oder vergessen werden. Eingeschmolzene Statuen, alternde Filmrollen und bislang unveröffentlichtes Archivmaterial aus dem Privatleben Enver Hoxhas machen sichtbar, wie sich Bedeutungen verschieben und wie in Propagandabildern Momente von Zögern, Ambivalenz und Inszenierung aufscheinen, besonders in den Sekunden vor dem orchestrierten Applaus. Ohne lineare Chronologie überlagern sich Zeiten, Bildformen und Stimmen. Bilder werden als formbare historische Substanz analytisch befragt. Das wiederkehrende Gedicht vom „Riesenbaby aus Eisen und Beton“ fungiert als poetischer Leitfaden und öffnet einen Resonanzraum zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

In einem indirekten Dialog zwischen Generationen – Zeitzeug:innen, politisch Verfolgten und jungen Erwachsenen – bleiben Widersprüche bestehen. Das Fehlende, das Schweigen und das Nicht-Gezeigte werden ebenso sichtbar wie die Konstruktion der Bilder selbst, durch reflexive Eingriffe in Montage, Bild und Ton. Die Materialität des 16mm-Films verleiht der Gegenwart historische Tiefe und macht Geschichte als fortwirkenden Prozess erfahrbar.

Johannes Gierlinger | Generationen von Bildern | AT 2025 | 103 min

JOHANNES GIERLINGER

Johannes Gierlinger (Regie und Produktion) studierte an der Akademie der bildenden Künste Wien. In seiner künstlerischen Arbeit beschäftigt er sich mit Formen von Erinnerung, Gedächtnis und Widerstand sowie mit den historischen und gesellschaftlichen Spuren, die unterschiedliche politische Systeme und Epochen hinterlassen haben. Im Zentrum stehen dabei Prozesse der Transformation, Konstellationen zwischen Vergangenheit und Gegenwart sowie Fragen der Repräsentation und ihrer Wirkungsweisen. Gierlinger untersucht, wie visuelle und narrative Strukturen fortwirken und im Heute sichtbar und erfahrbar bleiben. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Birgit-Jürgenssen-Preis, dem Outstanding Artist Award für Film des BMKÖS, dem Jahresstipendium Film des Landes Salzburg sowie dem Diagonale-Preis für den besten dokumentarischen Kurzfilm. Er zeigt seine Arbeiten auf nationalen und internationalen Filmfestivals und in Institutionen. Er lebt und arbeitet in Wien.

LARA BELLON

Lara Bellon (Produktion) lebt und arbeitet in Wien. Von 2018 bis 2022 war sie künstlerische Leiterin des This Human World – International Human Rights Film Festival. Derzeit arbeitet sie als freie Filmkuratorin und Produzentin, zuletzt an dem Langfilmprojekt BEATRIX. Nach einem Studium der Liberal Arts and Sciences am University College Maastricht absolvierte sie die Friedl Kubelka Schule für unabhängigen Film in Wien und studiert aktuell Critical Studies an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ihre Arbeit bewegt sich an der Schnittstelle von künstlerischen und gesellschaftspolitischen Diskursen und ist geprägt von kuratorischen, kollektiven und prozessorientierten Arbeitsweisen.

FREIES KINO

Monatlich präsentiert das Künstlerhaus, Gesellschaft Bildender Künstlerinnen und Künstler Österreichs, ungewöhnliche Laufbilder, die man sonst kaum zu sehen bekommt. Der Titel der Filmreihe ist hierbei im doppelten Sinn zu verstehen: einerseits als Kino, das losgelöst, also frei von allen Konventionen, aufregende, bizarre, schräge und provokante cineastische Arbeiten zeigt. Andererseits ermöglicht der freie Eintritt möglichst vielen Menschen diese spannende Entdeckungsfahrt in ungewöhnliche Bilderwelten.

Ergänzend zu den FREIES KINO-Programmen im Stadtkino organisieren die Kurator*innen viermal im Jahr performative, interdisziplinäre, multimediale, erweiterte Filmformate in der Factory des Künstlerhauses in Absprache mit der Programmierung des Künstlerhauses.

Kuratiert von Martina Tritthart und Holger Lang

Mit freundlicher Unterstützung von VdFS Filmrecht⁠

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