Cat Jimenez: ruins of a shell
Darstellende Kunst Tanz Performance
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Trauern als ein seltsames und sich ständig veränderndes Terrain: Cat Jimenez’ Tanzsolo ruins of a shell skizziert den Moment der Neuausrichtung nach dem Einschlag. Was geschieht, wenn der Schock verklingt und nur die Spuren bleiben? Hier, zwischen Sehnsucht und Ironie, werden Muscheln zu Objekten der Erinnerung und der Migration – zwischen dem, was schmerzt, und dem, was uns weitermachen lässt.
In Cat Jimenez’ Soloperformance ruins of a shell entfaltet sich Trauer als innere Bewegung. Die Tänzerin und Choreografin verfolgt in dieser biografischen Arbeit jene seltsamen Prozesse, die Empfindungen neu ordnen: was zittert und bröckelt, was besteht und langsam zurückkehrt. Bewegung und Atmosphäre entstehen aus paradoxen Spannungen und wechselnden Zuständen bittersüßer Ironie. Sie verdichten und zerstreuen sich und ziehen den Körper so in immer neue Strömungen. Dabei wird die titelgebende Muschel zum Guckloch in Jimenez’ Kindheit: im Winter philippinische Waren auf dem Wiener Christkindlmarkt verkaufen und die Gerüche mit nach Hause nehmen. Nicht mehr mit dem Meer, sondern mit Arbeit, Sehnsucht und kultureller Distanz verbunden fungiert die Muschel als handverpacktes Souvenir gemischter Gefühle.
Aufrichtigkeit und Absurdität liegen in ruins of a shell dicht beieinander – wo die Trauer erneut ihre Gestalt verändert, genau in dem Moment, in dem man glaubt, sie gerade verstanden zu haben. Die Mischung aus Biografie und aufblitzenden Pop- und Subkulturreferenzen, die Zitaten kultureller Praxis in stillem Trotz gegenübertreten, birgt einen subtilen Widerspruch: Das Leben ist selten nur eine Sache allein; vielmehr eine ständige kollektive Neuausrichtung im Spektrum dessen, was schmerzt – und was uns weitermachen lässt.
Cat Jimenez ist eine in Wien lebende Tänzerin und Choreografin, deren Wurzeln in der Freestyle-Kultur und subkulturellen Bewegungspraktiken liegen. Mit ihrem Hintergrund in Modedesign und bildender Kunst arbeitet sie in interdisziplinären Kooperationen im Bereich Performance und Choreografie. Ihre künstlerische Praxis untersucht, wie Bewegung, Musik und kulturelles Gedächtnis die menschliche Erfahrung prägen, und betrachtet Rhythmus als alchemistische Kraft, die aufzeigt, was Menschen – sowohl individuell und kollektiv als auch emotional und historisch – in und mit sich tragen. Cat Jimenez’ eigene Arbeiten wurden u. a. bei imagetanz im brut Wien, beim Ars Electronica Festival, bei Sound:Frame und beim 12th Festival for Fashion and Photography gezeigt. Drei Jahre in Folge kuratierte Cat Jimenez das Tanzprogramm für den Kultursommer Wien. www.whadupcat.tumblr.com