Zu Besuch bei Onkel Napoleon
Literatur Lesung
Verbindung zu esel.at
Autorenlesung von Sama Maani und Gespräch mit Robert Pfaller
Moderation: Daniela Finzi
„Stellen Sie sich vor: Sie sind eine Figur in einer Fernsehserie und aus Versehen geraten sie in die ‚wirkliche Welt‘ und wollen wieder zurück ins Imaginäre, ins wohlige Reich der Unwirklichkeit … So ergeht es einigen Protagonisten von Sama Maanis Roman Zu Besuch bei Onkel Napoleon (2026, Drava): Leyli, das verliebte Mädchen aus der Teheraner Kultserie „Mein Onkel Napoleon“, stürzt ins London der Gegenwart, während sich Thomas Pembridge, eine Figur aus „Mozart in the Jungle“, plötzlich am Yppenplatz in Wien wiederfindet und eine schöne Oboistin bittet, ihm bei der Suche nach der verlorenen Unwirklichkeit behilflich zu sein. Und alle verschlägt es schließlich in das phantasmatische Teheran der 70er-Jahre, wo sie unter anderem auf Michel Foucault treffen, den untoten Philosophen…
Ein Roman, der wie jede bedeutende Literatur die Frage nach der revolutionären Kraft des Karnevalesken stellt: Wir können uns alles vorstellen. Beethoven in Teheran, gespielt von der New York Symphony. Freiheit schöner Götterfunke. Und wir beginnen zu verstehen: Es gibt keine Freiheit ohne die Idee der Freiheit! Alles muss ständig überdacht werden – mit strenger Logik und mit der entspanntesten Einbildungskraft. Das Leben lebt nur durch die Poren der Phantasie, nur durch den ‚Möglichkeitssinn‘ kann es Atem schöpfen … So bleibt auch hier nur noch mit einem Konjunktiv zu schließen: Hätte Maani hundert Millionen Leser, die Welt wäre eine bessere.“
(Rainer Just, Der Standard)
Sama Maani, geboren in Graz, aufgewachsen in Österreich, Deutschland und im Iran. Studium der Medizin in Wien und der Philosophie in Zürich. Arbeitet – nach jahrelanger Tätigkeit als Nervenarzt und Psychoanalytiker – heute als Schriftsteller in Wien. Publikationen (u.a.): Ungläubig (Roman 2014, Drava), Respektverweigerung. Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht (Essayband 2015, Drava), Der Heiligenscheinorgasmus und andere Erzählungen (2016, Drava), Warum wir Linke über den Islam nicht reden können (Essayband 2019, Drava), Zizek in Teheran (Roman 2021, Drava), Warum uns der Iran nicht wurscht sein sollte – und Sigmund Freud und Robert Musil auch nicht (Essayband 2023, Drava).
Robert Pfaller ist Professor für Philosophie und Kulturtheorie an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung in Linz, Österreich. Gründungsmitglied der Wiener psychoanalytischen Forschungsgruppe „stuzzicadenti“. 2007 wurde er für sein Buch Die Illusionen der anderen. Über das Lustprinzip in der Kultur (2002, Suhrkamp) vom Psychoanalytischen Seminar Zürich mit dem Preis „The Missing Link“ für die Verbindung der Psychoanalyse mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen ausgezeichnet. Jüngste Publikationen: Klare Striche zu wunden Punkten (2026, Fischer); Das Lachen der Ungetäuschten. Die philosophische Würde der Komödie (Fischer 2025); Zwei Enthüllungen über die Scham (2022, Fischer).