Zeit der Monster
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Unter dem Titel “Zeit der Monster - Lagebesprechungen in einer bedrohten Gegenwart” versammelt das Heeresgeschichtliche Museum (HGM) ab 7. Mai 2026 Expert:innen wie Ingrid Brodnig (Journalistin und Publizistin), Florian Bieber (Karl-Franzens-Universität Graz) und Bettina Habsburg-Lothringen (Museum Joanneum). In performativen Gesprächen werden Krisen, Risiken und Handlungsmöglichkeiten analysiert und Lehren aus der Vergangenheit gezogen. Zugleich wird die Frage gestellt, wie man die erlangten Erkenntnisse in einem militärhistorischen Museum des 21. Jahrhunderts direkt umsetzen kann.
“Wenn das Alte stirbt und das Neue nicht zur Welt kommen kann, beginnt die Zeit der Monster”, schrieb der italienische Philosoph Antonio Gramsci 1930. Ein Jahrhundert später scheint der berühmte düstere Befund erneut aktuell. Polarisierung und gesellschaftliche Spannungen nehmen zu, demokratische Institutionen geraten unter Druck, geopolitische Konflikte eskalieren. Zeit zusammenzukommen, zu beratschlagen und zu diskutieren.
“Das Heeresgeschichtliche Museum ist ein Ort, an dem militärische, historische und gesellschaftliche Zusammenhänge vermittelt und diskutiert werden. Gemeinsam mit Kurator Alexander Martos haben wir in diesem innovativen Diskussionsformat den Anspruch, Bedrohungen in Vergangenheit und Gegenwart aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten und voneinander zu lernen”, erklärt Georg Hoffmann, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums.
Monster im Wiener Stadtraum
Die Themen der vier Kapitel werden jeweils von einer Monsterillustration verkörpert. Konzept und Creative Direction der Kampagne stammen von der vielfach ausgezeichneten Designerin und Creative Director Astrid Feldner. Für die visuelle Umsetzung entwickelte sie gemeinsam mit dem Illustrator und Digital Artist Niki Hermkes eine Serie digitaler Monsterskulpturen. Diese Figuren stehen für Mechanismen wie Gewaltmobilisierung, Machtspiele, Kriegsökonomien und Krieg. „Die inhaltliche Weiterentwicklung des Museums visuell zu begleiten war mir besonders wichtig, gerade bei einem so relevanten Thema wie Demokratiebildung“, so Feldner. „Ziel war es, nicht historische Ereignisse zu illustrieren, sondern die abstrakten, bis heute wirksamen Mechanismen dahinter greifbar zu machen“, ergänzt Hermkes, der Buchkunst und Grafik-Design an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig studierte, sowie aktuell Design und narrative Medien an der Universität für angewandte Kunst Wien.
4 Kapitel, 12 Termine - Analysen aus einem provisorischen “War Room”
Die Veranstaltungsreihe besteht aus vier Kapiteln, wobei jedes Kapitel drei Veranstaltungen umfasst. Jede Veranstaltung beginnt mit einer Lagebesprechung, im Rahmen derer Expert:innen aus verschiedensten Fachbereichen Entwicklungen einordnen. Die eingebrachten Perspektiven werden sicherheitspolitisch eingeordnet und anschließend von einer Museumskommission in die Museumsarbeit übersetzt. Die Veranstaltungen werden aufgezeichnet und die Videodokumentationen für die Vermittlungsarbeit, aber auch für die Bildungsarbeit des Heeresgeschichtlichen Museums herangezogen.
Die Reihe wird vom Wiener Kurator Alexander Martos programmiert. Die Veranstaltungen finden unter Einbeziehung militäranalytischer Expertise des Bundesministeriums für Landesverteidigung statt.