KI und psychische Gesundheit
Im Frühjahr 2023 machte der Fall eines belgischen Mannes Schlagzeilen, dessen Suizid mit der Interaktion mit einem Chatbot in Verbindung gebracht wurde. Kurz darauf warnten Forschende im offenen Brief We are not ready for manipulative AI vor manipulativen Systemen, die emotionale Abhängigkeiten verstärken können. Inzwischen diskutieren Psychiatrie und Psychologie unter Stichworten wie „AI psychosis“, wie Chatbots Wahnvorstellungen verstärken oder bei vulnerablen Menschen problematische Dynamiken auslösen könnten.
Zugleich gilt KI vielen als mögliche Antwort auf die die Krise der psychischen Gesundheit und Versorgung: als jederzeit verfügbare, breit ausrollbare und niederschwellige Unterstützung in überlasteten Versorgungssystemen. Bleibt die grundsätzliche Frage: Was macht der wiederholte, oft intime Austausch mit Chatbots mit uns – auch dann, wenn keine klinische Störung vorliegt? Und was verändert sich, wenn uns nicht nur Textbots, sondern verkörperte Roboter antworten?
Christiane Eichenberg, Psychoanalytikerin, Institut für Psychosomatik, Sigmund Freud Privatuniversität, Wien
Michael Funk, Musiker, Philosoph, Fakultät für Informatik der Universität Wien
Moderation: Klaus Speidel, Philosoph, Universität für angewandte Kunst Wien