Tsitsi Dangarembga und das International Images Film Festival for Women

In Person und Carte blanche
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7 Termine
Mittwoch 18. November - Freitag 20. November
Mi 18. Nov. -
Fr , 20. Nov.
Filmreihe
Tsitsi Dangarembga und das International Images Film Festival for Women
Mittwoch 18. November
Donnerstag 19. November
19. Nov.
Do
18:00
Diskussion
Werkstattgespräch
In englischer Sprache.
20:30
Screening OmeU
Kurzfilmprogramm 1
Freitag 20. November
20. Nov.
Fr
18:00
Screening
Kurzfilmprogramm 2

Die 1959 in Mutoko, Simbabwe, geborene Dramatikerin, Schriftstellerin, Aktivistin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga ist eine der wichtigsten weiblichen Stimmen des afrikanischen Kontinents. Doris Lessing nannte ihren Debütroman Nervous Conditions (Aufbrechen) eines der bedeutendsten Bücher des 20. Jahrhunderts, und ihr literarisches Werk wurde mehrfach ausgezeichnet (u.a. mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels).

Tsitsi Dangarembga ist nicht nur eine Grenzgängerin zwischen den Welten und Sprachen, die zwischen Großbritannien und der ehemaligen Kolonie Rhodesien aufwuchs; ihre künstlerische und politische Praxis oszilliert seit Jahrzehnten zwischen dem geschriebenen Wort und der Leinwand. Sie studierte in den 1990er Jahren Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB), produzierte Filme in Deutschland sowie ab 1992 mit ihrer eigenen Produktionsfirma Nyerai Films in Simbabwe. Mit dem von ihr gegründeten International Images Film Festival for Women sowie dem von ihr initiierten Institute of Creative Arts for Progress in Africa unterstützt sie unermüdlich Frauen beim Auf­bau ihrer Karrieren in der Kreativwirtschaft.

Vor zwei Jahren war Dangarembga vielbeachteter Ehrengast bei Literatur im Nebel im niederösterreichischen Heidenreichstein. In diesem Rahmen wurde erstmals in Österreich auch ihre Arbeit als Filmemacherin und Aktivistin sichtbar. Filme machen, Produktionen von Frauen zu fördern und auf die Leinwand zu bringen (in Afrika und Europa) ist aktive Arbeit im Dienste von Demokratie, Frieden, Frauenrechten und Meinungsfreiheit. Wir sind stolz, eine herausragende Künstlerin und ihr Werk wie auch ihre filmkulturelle Arbeit nun in Wien zu Gast zu haben. (Michael Loebenstein, Jurij Meden)

Im Jahr 1998 wurde ich von angehenden Filmemacherinnen in Simbabwe gebeten, ihrer neu gegründeten Organisation Women Filmmakers of Zimbabwe beizutreten, die sie ins Leben gerufen hatten, um sich gegenseitig beim Aufbau einer Karriere in der Branche zu unterstützen. Zu dieser Zeit gab es noch keine professionelle Ausbildung und die Branche war vollständig von Männern dominiert. Einige Jahre später gründete ich das International Images Film Festival for Women, das Filme mit afrikanischen Frauen in den Hauptrollen präsentiert, um den Zuschauerinnen zu zeigen, wie ihre Geschichten erzählt werden können, um eine Ausbildungsplattform für Frauen zu schaffen und um Geschlechterfragen in den Fokus des Kinopublikums zu rücken. Meine Auswahl für das Filmmuseum präsentiert mit Mon Père, le Diable (2021, Ellie Foumbi) und Nome (2023, Sana Na N’Hada) zwei Spielfilme, die das Persönliche und das Politische auf atemberaubende und tiefgründige Weise miteinander verbinden. Die Kurzfilme setzen sich mutig mit Themen auseinander, die in simbabwischen Produktionen selten behandelt werden. (Tsitsi Dangarembga)

In Anwesenheit von Tsitsi Dangarembga

Everyone’s Child

Tsitsi Dangarembga, ZW 1996; Drehbuch: Tsitsi Dangarembga, John Riber, Andrew Whaley nach einer Geschichte von Shimmer Chinodya; Kamera: Patrick Lindsell; Schnitt: Louise Riber; Musik: Keith Farquharson; Darsteller*innen: Nomsa Mlambo, Thulani Sandhla, Walter Maparutsa, Elijah Madzikatire, Killness Nyati, Chunky Nkululeko Phiri. 35mm, Farbe, 90 min. Englisch/Shona mit engl. UT

Tsitsi Dangarembgas Spielfilmdebüt erzählt die Geschichte von vier Geschwistern, deren Eltern beide an AIDS gestorben sind. Nach einer traditionellen Beerdigung meidet die Dorfgemeinschaft die Waisenkinder – entgegen aller Bräuche – aufgrund des mit der Krankheit verbundenen Stigmas. Ohne Lebensunterhalt zerfällt die Familie unweigerlich. Everyone’s Child ist ein eindringlicher Aufruf zum Handeln zugunsten der Millionen elternloser Kinder in Afrika. Anhand der tragischen Geschichte einer durch AIDS zerrütteten Familie aus Sim­babwe fordert der Film dazu auf, die Tradition aufrechtzuerhalten, wonach ein Waisenkind “das Kind aller” wird. Produziert vom simbabwischen Media for Development Trust (MFD), steht der Film stellvertretend für eine wichtige Strömung im afrikanischen Filmschaffen: die Produktion von Spielfilmen, um sich explizit in drängende gesellschaftliche Probleme einzumischen. Der außergewöhnliche Soundtrack enthält zwölf Originalsongs von Simbabwes beliebtesten Musiker*innen, darunter Chiwoniso Maraire, Thomas Mapfumo, Leonard Zhakata und Andy “Tomato Sauce” Brown. (California Newsreel)

Einführung von Tsitsi Dangarembga

Mon Père, le Diable (Our Father, the Devil)

Ellie Foumbi, US/FR 2021; Drehbuch: Ellie Foumbi; Kamera: Tinx Chan; Schnitt: Roy Clovis; Musik: Gavin Brivik; Darsteller*innen: Babetida Sadjo, Souleymane Sy Savané, Jennifer Tchiakpe, Franck Saurel, Martine Amisse, Maëlle Genet, Patrice Tepasso. DCP, Farbe, 107 min. Französisch mit engl. UT

Marie Cissé arbeitet als Küchenchefin in einem Seniorenheim einer französischen Kleinstadt. Ihr unbeschwerter Alltag – sie kümmert sich um die Bewohner*innen, verbringt Zeit mit ihrer Kollegin und besten Freundin Nadia und blickt einer möglichen neuen Romanze entgegen – droht durch die Ankunft von Pater Patrick aus den Fugen zu geraten: Sie erkennt in dem afrikanischen Priester den Verantwortlichen für ein schreckliches Ereignis in ihrer afrikanischen Heimat wieder. Während er sich bei den Bewohner*innen und Mitarbeiter*innen immer beliebter macht, muss Marie entscheiden, wie sie mit dieser traumatischen Erinnerung an ihre Vergangenheit umgehen soll. “Drehbuchautorin und Regisseurin Ellie Foumbi gelingt es in ihrem fesselnden Debütfilm, Themen wie Identität, Erinnerung, Trauma und die Möglichkeit einer zweiten Chance kraftvoll miteinander zu verbinden.” (Alliance of Women Film Journalists)

Werkstattgespräch

Im Gespräch mit Tsitsi Dangarembga wird ihre Arbeit als Filmemacherin im Kontext ihrer facettenreichen Karriere als Schriftstellerin, Dramatikerin und Aktivistin beleuchtet. Gesprächspartner ist Rémi Armand Tchokothe, u.a. Assistenzprofessor für Vergleichende Literaturwissenschaft mit Fokus auf Afrikanische Literaturen sowie Leiter des Instituts für Afrikawissenschaften an der Universität Wien. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen afrikanisch-diasporische Schriftsteller*innen in Österreich, Identitäten und Migration, Swahili-Literatur, frankophone Literaturen der Indischen Ozean-Region, Literatur und Feldforschung (Ostafrika, Komoren) sowie Oratur und Archivierung/Digitalisierung.

Tsitsi Dangarembga im Gespräch mit Rémi Tchokothe In englischer Sprache

Kurzfilmprogramm 1

Kare Kare Zvako (Mother’s Day) Tsitsi Dangarembga, 2005; Drehbuch: Tsitsi Dangarembga; Kamera: Pierre Mennel; Schnitt: Olaf Koschke; Musik: Kelly Rusike; Darsteller*innen: Consolata Ngwenya, Nicholas Mazenda. 30 min Pamvura (At the Water) Women Filmmakers of Zimbabwe, 2005; Drehbuch: Blessing Musariri; Schnitt: Olaf Koschke; Darsteller*innen: Kudzai Chimbaira, Anthony Tomy, Daniel Maphosa. 14 min Peretera Maneta (Spell My Name) Tawanda Gunda Mupengo, 2006; Drehbuch: Owen Muzambi; Kamera: Farai Mughano; Schnitt: Olaf Koschke; Produktion: Tsitsi Dangarembga; Musik: Tonderai Koschke; Darsteller*innen: Conchita Dzapasi, Fadzai Mavhunga, Aaron Chiundura Moyo. 24 min Alle Filme: ZW, DCP, Farbe, Shona/Englisch mit engl. UT

Die Filme dieses Programms, zwei unter der Regie von Tsitsi Dangarembga, einer von ihr produziert, kreisen um Frauen, die sich gegen gesellschaftliche Normen und patriarchale Gewalt auflehnen. Mother’s Day, ein Klassiker des simbabwischen Kinos, basiert auf einer alten Shona-Volkssage und ist als Musical inszeniert. At the Water untersucht das ambivalente Verhältnis von Glauben und Religion: Der Sohn von Netsai, einer gläubigen jungen Christin, verschwindet, während sie am Fluss Wäsche wäscht. In Spell My Name setzt sich eine junge Lehrerin aus der Stadt, die zum Unterrichten aufs Land kommt, für die Rechte einer Schülerin ein. (A.P.)

Einführung von Tsitsi Dangarembga

Kurzfilmprogramm 2

Bhizautare raArthur (Arthur’s Bicycle) Tafadzwa Chiriga, ZW 2018; Drehbuch: Tafadzwa Chiriga, Tanaka Chiriga; Kamera: Herman Jean-Noel; Schnitt: Tafadzwa Chiriga; Darsteller*innen: Susan Mbofana, Takudzwa Takawira, Tawanda Takawira. DCP, Farbe, 18 min. Shona mit engl. UT Freestate Martha Ferguson, CA/ZW 2013; Drehbuch: Martha Ferguson; Kamera: Alex Disenhof; Schnitt: Véronique Bruque, Tom McMurtry; Musik: Richard Feren; Darsteller*innen: Stephen Chigorimbo, Martha Ferguson, John Dennison, Kevin Hanssen. DCP, Farbe, 12 min. Englisch Much to the Land of Promises Cosmo Itayi Zengeya, ZW 2012. DCP, Farbe, 48 min. Diverse Sprachen mit engl. UT

Tsitsi Dangarembgas Auswahl aus dem Programm des International Images Film Festival for Women: In Arthur’s Bicycle versucht eine trauernde Mutter einen Fluch zu brechen, der durch den Suizid ihres Sohnes ausgelöst wurde, während seine jüngeren Brüder darum ringen, den Sinn seines Todes zu verstehen. Freestate, eine Geschichte über eine verbotene Liebe vor dem Hintergrund der komplizierten zwischenmenschlichen Beziehungen in Simbabwe, fängt zwei Tage im Leben von Michelle und ihrem Fahrer John ein. Der preisgekrönte Dokumentarfilm Much to the Land of Promises zeichnet die Auswirkungen der Arbeitsmigration im südlichen Afrika seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts im damaligen Südrhodesien, dem heutigen Simbabwe, nach. (A.P.)

Einführung von Tsitsi Dangarembga

Nome

Sana Na N’Hada, 2023 GW/FR/PT/AO; Drehbuch: Virgílio Almeida, Olivier Marboeuf; Kamera: João Ribeiro; Schnitt: Sarah Salem; Musik: Remna Schwarz; Darsteller*innen: Marcelino António Ingira, Binete Undonque, Marta Dabo. DCP, Farbe und sw, 112 min. Kriolu/Portugiesisch mit engl. UT

Im blutigen Krieg zwischen der portugiesischen Kolonialarmee und den Maquis, den Guerillakämpfern der PAIGC (Afrikanische Partei für die Unabhängigkeit von Guinea und Kap Verde), verlässt Nome 1969 sein Dorf, um sich dem Widerstand anzuschließen. Nach Jahren kehrt er als Held zurück, doch die Freude weicht bald Bitterkeit und Zynismus. Filmkritiker Adrian Martin: “Nome beleuchtet die hoffnungsvolle, utopische Dimension afrikanischer revolutionärer Bewegungen und setzt sich – mit der Weisheit des Rückblicks – mit den Ursprüngen von Korruption und Verrat auseinander, ohne sich der Verzweiflung hinzugeben. Eine Besonderheit von Nome sind die Archivaufnahmen aus der Zeit des Krieges, damals aufgenommen von Regisseur Sana Na N’Hada und seinen Genossen. Diese Bilder leisten weit mehr, als nur dokumentarische Authentizität zu gewährleisten – gerade mit ihrer Zerbrechlichkeit verwandelt der Film die Materialität der zerkratzten, ramponierten Filmbilder in eine poetische Sprache.”

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