Tracing Spaces, Bus Stop Orth

Architektur Zeitgenössische Kunst Urbanismus Öffentlichkeit Ausstellung
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1 Termin
Samstag 27. Juni
27. Juni
Sa
14:00
Eröffnung
Tracing Spaces, Bus Stop Orth
Schlossplatz 4

Es sprechen
Elisabeth Wagnes, Bürgermeisterin

Anna Soucek (ORTE, Ö1) im Gespräch mit Michael Hieslmair / Michael Zinganel (Tracing Spaces), Christian Königsdorfer (Bootsbauer)

Angela Baumgartner, Abgeordnete zum Nationalrat in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner

Musikalische Begleitung durch den Musikverein Jugendkapelle Orth/Donau

Shuttlebus zur Eröffnung ab 15 Teilnehmenden von Wien nach Orth an der Donau, ab Wien zwischen Universität und Rathauspark. Abfahrt: 12.45 Uhr, Rückfahrt: 16.00 Uhr. Um Anmeldung für den Shuttlebus wird bis Donnerstag, 25. Juni 2026 unter: koernoe@noel.gv.at gebeten.

Bushaltestellen sind Warteräume des öffentlichen Nahverkehrs und bieten in der Regel eine notwendige Funktionalität als Wind­, Regen­ und Sonnenschutz, können aber, entsprechend gestaltet, auch eine Aufwertung des öffentlichen Verkehrs als auch eine Signalwirkung für einen Ort erzeugen. Auch aus diesem Grund sind Infrastrukturbauten immer wieder ein spannendes Betätigungsfeld künstlerischer wie architektonischer Gestaltungen, die sich diesen Aufgaben aus ungewöhnlichen Perspektiven annähern.

Das Künstler­ und Architektenduo Michael Hieslmair / Michael Zinganel (Tracing Spaces), hat für die an der Bundesstraße zwischen Schloss Orth und Neuer Mittelschule gelegene und in die Jahre gekommene Haltestelle im Zuge eines künstlerischen Wettbewerbs einen außergewöhnlichen Ersatz geschaffen, der verschiedene ortsspezifische und thematische Fäden aufnimmt. Orth befindet sich, wie der Name Auskunft gibt, an der Donau, die aber im Ortszentrum selbst kaum spürbar ist. Dieser Umstand wie die Tatsache, dass der Fluss, vor allem historisch betrachtet, der Bundesstraße ähnlich, als zentraler Verkehrsweg diente und Orth hierbei einen wichtigen Personen­ und Warenverkehrsknotenpunkt in der transnationalen Bewegung entlang der Donau darstellte, sind grundlegende Bezugspunkte für ihre Überlegungen.

In Referenz an diese geographische wie gesellschaftspolitische Bedeutung des Flusses, haben die Künstler die Bushaltestelle als skulpturalen Blickfang für ein weites Themenfeld rund um die Donau in Verbindung mit Mobilität und Migration konzipiert. Der formale Impuls für die Haltestelle stammt aus einer archetypischen Form der Donauschiffe, der so ge­nannten Ulmer Schachtel – eine bereits im 15. Jahrhundert auftauchende, einfache Holzkonstruktion der Zille, die während der Türkenkriege und durch die Ansiedlungspolitik der Habsburger im Donauraum einen Boom erlebte. Bis zur Motorisierung fuhr dieser Bootstyp in der Regel nur donauabwärts an seinen Bestimmungsort – dort angekommen, wurde der Rumpf zerlegt, als Baumaterial für erste Behausungen verwendet oder anderweitig weiterverarbeitet.

Der dieser historischen Form nachempfundene und zum Dach umgedrehte Bootsrumpf wird von vier roten, zu vertikalen Stehern umfunktionierten Rudern getragen, die einen Farbkontrast zum Schiffsrumpf bilden. Dessen strenge in Schwarzweiß gehaltene Gestaltung ist typisch für die Ulmer Schachtel und gewährleistete ihre Sichtbarkeit auf dem Gewässer. Die neue Haltestelle bietet den Wartenden – allen voran den Schülerinnen und Schülern der angrenzen­den Neuen Mittelschule für Informatik, aber auch Pendlerinnen und Pendlern sowie den Besucherinnen und Besuchern des Nationalparks und des Schlosses – nun großzügigen Wetterschutz. Sie ist aber auch ein markantes Zeichen für Orth an der Donau, das Anreize bietet, über die geographische Umgebung, die vielfältigen vergangenen und gegenwärtigen Ursachen für Bewegung und Migration zu Wasser wie an Land nachzudenken und so das Warten auf den nächsten Bus zu verkürzen.

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