Thomas Hartmann: Die Republik der Bücher
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
Verbindung zu esel.at
Thomas HARTMANNs Malereien handeln von Büchern und Archiven. Ein „Zoo der Schriftlichkeit“. Eine Hymne auf die Überlieferung von Narrationen, Berichten und Texten. Die verwendeten Farben, die Unschärfen, die malerischen Mittel sind den Büchern überlegen, wie sie tatsächlich in den Bibliotheken und in den Arsenalen gespeichert werden.
Immer erneut Perspektiven. Die Welt der Bücher als Hochbau und zugleich als flach hingestreckter Turm von Babylon. Je mehr der Betrachter sich in die HARTMANNsche Bildersammlung versenkt, desto mehr zeigen sich die Bücher in ihrem Eigenleben: „denn Bücher sind sich selbst genug“. Sie vereinsamen nicht, wenn sie keine Leser haben.
Bücher sind kein technisches Instrument der Kommunikation. Sie sind Lebewesen. Alle, die Bücher herstellen (als Berichterstatter, Sammler, Erzähler oder Drucker), haben ihnen mit ihrer Lebendigkeit Leben eingehaucht. Nachts, das weiß ich genau, reden die Bücher miteinander. In den großen Magazinen der Bibliotheken tauschen sie sich untereinander aus. Es ist ein Gemurmel zu hören. Der Astronom Kepler nahm an, dass das Gebrumm der Bücher untereinander ähnlich klingt wie der Ton des Planeten Uranus. Kepler hat in seinem Buch Harmonices Mundi solche Planetentöne in Noten aufgeschrieben. Ich erwähne die Noten, weil mich einige Malereien von Thomas HARTMANN an Musik erinnern. Sie zeigen nicht bloß Bücher.
(zitiert nach Alexander KLUGE aus einem bislang unveröffentlichten Text über Thomas HARTMANN, 2021)