The quiet and what happens at once
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
Verbindung zu esel.at
KünstlerInnen: Almut Rink / Leung Chi Wo
einführende Worte: Natalia Gurova
Erinnerung ist eine Form des persönlichen Widerstands gegen die Geschichte. So beschreibt der Hongkonger Künstler Leung Chi Wo seine Haltung. In Wien zeigt er zehn Arbeiten aus seiner fortlaufenden Serie ‘the Date Series’, in der sich bedeutende historische Ereignisse – etwa die Proteste und Unruhen von 1967 in Hongkong – eng mit auf den ersten Blick zufälligen Begebenheiten aus dem Alltag der Stadt verweben. Gerade diese paradoxe Verbindung hinterlässt das Gefühl, etwas Wichtiges über dieses Leben verstanden zu haben – und zugleich etwas, das sich nicht ganz greifen lässt.
Almut Rink beginnt mit einer Frage und lässt sich in radikaler Offenheit überraschen, wohin sie führen wird. Die Tusche breitet sich aus, das Papier wirft Falten; die Zeichnung braucht Zeit, um Gestalt anzunehmen. Ihre auf Papier mit Tusche und Alkohol ausgeführte Zeichnungsserie INFUSIONS erlaubt dem Material selbst zu agieren und Körperwissen, den Moment und die Geste als Spur von Präsenz anzuerkennen, um eine körperlich-sinnliche Erfahrung gleichberechtigt neben kognitives Denken zu stellen und die Art, wie wir zueinander in Beziehung treten, zu transformieren.
An einem bestimmten Punkt treffen sich die Ansätze der beiden KünstlerInnen, als würden sie zu einem Echo des jeweils anderen. Bewegung schafft eine Situation, die Situation wird zum Fakt, Fakten werden zu Geschichte, und unser Verhältnis zu ihr wird zur Erinnerung.
Als wäre all das gleichzeitig geschehen.
Text: Natalia Gurova
kuratiert von Sabina Hörtner