The Living Archive
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STAGING REALITIES – THE LIVING ARCHIVE
Iz Paehr
Merve Sahin
Mats Staub
Archive sind – wie Museen, Bibliotheken und Sammlungen – bedeutende Erinnerungsorte, die als Wissensspeicher einen wesentlichen Teil des kulturellen Gedächtnisses bewahren und das historische Denken in der Gegenwart stärken. Mit der Neupositionierung des Festspielarchivs, das seit 2024 in der Riedenburg beheimatet ist, wurden die Schätze aus der Festspiel-Historie bereits in mehreren Projekten sichtbar gemacht. Im Sommer 2026 folgt nun die Ausrichtung eines eigenen Archiv-Festivals, das sich mit der Archivierung von künstlerischen (performativen) Aktionen befasst und neue Formate eines lebendigen Archivs präsentiert.
Im Gegensatz zum klassischen Archiv, in dem das Vergangene nach bestimmten Ordnungsstrukturen klassifiziert wird, versteht sich das Living Archive als imaginäres Archiv, das die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft überwindet und die Bestände in anderen Kontexten miteinander in Beziehung bringt. Dadurch werden neue Wahrnehmungsweisen entdeckt, aber auch neue Quellen des Erinnerns erschlossen.
Die Theorie des lebendigen Archivs beschreibt Archive, die keine statischen Sammlungen sind, sondern dynamische, sich weiterentwickelnde und partizipative Orte der Erinnerung. Lebendige Archive verbinden die Bewahrung von Erinnerungen mit kreativen, performativen und gemeinschaftlichen Aktivitäten und ermöglichen so eine kontinuierliche Neuinterpretation. Solche Archive basieren auf dem Konzept der „archivarischen Performativität“, in dem Archivierung und Kreation durch gegenwartsbezogene Prozesse miteinander verbunden werden.
Ausgangspunkt sind die beiden im Kontext der Salzburger Festspiele entstandenen Projekte des S+T+ARTS* Ec(h)o Residencies Programme 2025/26 sowie das 2024 begonnene Erinnerungsbüro im Festspielarchiv, die nun der Öffentlichkeit präsentiert werden. Dazu gesellt sich die Wiederaufnahme der 2023 mit Ars Electronica realisierten FAUST-VR-Experience. Alle vier Projekte sind in einem Rundgang im neuen UMAK-Gebäude zu erleben. Damit ist auch der Auftakt zu einer Kooperation mit der Universität Mozarteum gemacht, die in den kommenden Jahren im Rahmen der Staging Realities-Projekte des Instituts für Open Arts weitergeführt werden soll.
Margarethe Lasinger
* This project has been developed in the context of S+T+ARTS Ec(h)o. S+T+ARTS Ec(h)o is funded by the European Union under the GA. 101135691.