The Creative Self: Beyond Individualism

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Montag 23. März

Buchvorstellung von Gail Newman und Gespräch mit Jeanne Wolff Bernstein (auf Englisch)

The Creative Self: Beyond Individualism (Columbia University Press, 2025) ist ein Zeugnis der tiefen Freundschaft zwischen zwei Autorinnen: der verstorbenen finnisch-kanadischen Theoretikerin Mari Ruti und der amerikanischen Germanistin Gail Newman. Das Buch bietet ein Gegenmittel zur neoliberalen Forderung nach Selbstoptimierung in einer Welt, die von Nullsummenwettbewerb und ständiger Produktivität geprägt ist. Jedes der beiden langen Kapitel beschreibt verschiedene Dimensionen der Ursprünge und Auswirkungen unseres aktuellen Denkens. Rutis Kritik betont den Aufstieg der instrumentellen Vernunft und das damit einhergehende Leistungsprinzip. Newman geht zurück auf die europäische Aufklärung als Quelle des Hyperindividualismus des Westens und dessen unerschütterlichen Glauben an Universalität. Im Zentrum des Buches stehen Rutis und Newmans Alternativen zur neoliberalen Einstellung: Ruti beleuchtet den Vorschlag von Marion Milner (1900-1998), das Ich im Dienste der Kreativität loszulassen, um Kreativität zu fördern und Momente zu ermöglichen, die Ruti als „immanente Transzendenz” im Alltag bezeichnet. Newman untersucht in ihrem Kapitel Donald W. Winnicotts Aufruf, Paradoxien anzunehmen, ohne zu versuchen, sie zu lösen, als Grundlage für ein kreatives Leben.

Gail Newman ist Harold J Henry Professorin für Germanistik und Komparitistik am Williams College in Williamstown, Massachusetts USA. Ihre Forschung behandelt mittels der psychoanalytischen Theorien von Freud, Lacan, Winnicott und Ferenczi Fragen der Subjektivität im Kontext von Narrativ und Sprache, insbesondere deren Beziehung zum Unverständlichen und zum Trauma. Außer dem zusammen mit Mari Ruti bei Columbia University Press veröffentlichten Buch The Creative Self: Beyond Individualism (2025) hat sie u.a. Aufsätze in germanistischen und psychoanalytischen Zeitschriften über die Ästhetik der Katastrophe bei Kleist, die Narration vom Schweigen und von der Geschichte bei Gerhard Roth und die „Sprachverwirrung“ in Ingeborg Bachmanns Erzählung „Simultan“ veröffentlicht. Ihr Beitrag zum Band Thoughts for the Times on Groups and Masses (LUP, 2025) beleuchtet die Beziehung zwischen Freuds „Massenpsychologie“ und der MAGA-Bewegung.

Jeanne Wolff Bernstein ist Psychoanalytikerin, die in Wien lebt und arbeitet. Sie ist Mitglied, Lehranalytikerin und stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Wiener Arbeitskreises für Psychoanalyse (WAP). Sie ist Vorsitzende des Beirats der Sigmund Freud Privatstiftung, wo sie 2008 Fulbright-Freud Visiting Lecturer of Psychoanalysis war. Vor ihrer Übersiedlung nach Wien war Jeanne Wolff Bernstein Präsidentin und Lehranalytikerin am PINC Institut (Psychoanalytic Institute of Northern California), San Francisco. Sie ist Mitglied des Lehrkörpers des PINC und des NYU Postdoctoral Program und unterrichtet am WAP. Sie hat zahlreiche Artikel zu den Schnittstellen zwischen Psychoanalyse, bildender Kunst und Film veröffentlicht.

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