Studio Offbeats 32.0: Marija Jociūtė
Verbindung zu esel.at
Curated by Carola Fuchs
Marija Jociūtė setzt sich mit dem von Roland Barthes beschriebenen Gedanken des punctum auseinander und fragt, ob Barthes’ fotografisches Konzept eine Analogie im Bereich des Klangs besitzt – trotz des grundlegenden Unterschieds zwischen dem statischen Bild und der Zeitlichkeit musikalischer Entfaltung.
Barthes beschreibt in seinem Text Die helle Kammer (1980) das punctum als ein Detail in einer Fotografie, das im Betrachtenden etwas auslösen kann. Dabei kann es sich um ein Detail am Rande handeln, das die Betrachtenden subjektiv anspricht und nicht rational erklärbar sein muss.
Barthes Theorie unterscheidet zwischen punctum und studium -Zweiteres umfasst alles, das wir durch Fachbegriffe und kulturelle Codes benennen können.
In ihrer Abschlussarbeit “Sounding punctum” geht Jociūtė auf die Suche nach dem musikalischen punctum. Durch die Konfrontation mit Begriffen aus der Terminologie der Fotografie regt sie ausgesuchte Musiker*innen dazu an, zu reflektieren, wie sich diese in ihrem künstlerischen Schaffen und in ihrer Hörpraxis manifestieren. Die dabei entstandenen Gesprächsaufnahmen bilden das Ausgangsmaterial ihrer Klanginstallation.
Die mehrkanalige Komposition vereint unterschiedliche Herangehensweisen an die Idee vom punctum in der Musik.
mit Auszügen der Interview Partner*innen:
Hyeji Nam
Andreas Karl
Laure M. Hiendl
Ann Rosén
Katrin Euller
Danke an: Angélica Castelló, Carola Fuchs, Michael Giebl, Alexander Felch
Marija Jociūtė (1988) hat einen Master-Abschluss in Fotografie und Medienkunst an der Kunstakademie in Vilnius erworben. Seit 2023 studiert sie elektroakustische und experimentelle Musik (ELAK) an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien.
Durch eine in Kunst und elektronischer Musik verwurzelte Praxis beschäftigt sie sich kontinuierlich mit dem strukturellen und konzeptuellen Potenzial elektronischer Komposition.
Ihre Praxis ist forschungsorientiert und setzt sich mit Wissensdokumenten im weitesten Sinne auseinander – den überlieferten Strukturen, durch die Welt geordnet, gemessen und interpretiert wird –, um die Grenzen des empirischen Denkens zu hinterfragen.
Durch Akte der Veränderung und Dekonstruktion erschließt sie das narrative und poetische Potenzial und öffnet es für neue Bedeutungskonfigurationen.