Stephan Gregory: Class Trouble

Theorie Zeitgenössische Kunst Vortrag
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Dienstag 31. Mai 2022
31. Mai 2022
Di
18:00
Stephan Gregory: Class Trouble
Flux 1

Von der Klassengesellschaft zur Gesellschaft der Klassifizierung
Eine Veranstaltung der Abteilung Kunsttheorie

Das Buch »Class Trouble« unternimmt eine Reise zu den Ursprüngen der modernen Klassengesellschaft. Am Beispiel Englands wird gezeigt, wie die Menschen des 17. und 18. Jahrhunderts auf die Idee gekommen sind, dass ein gesellschaftliches Ganzes in Klassen geteilt sei – und nicht etwa in Stände, Ränge, Handwerke oder Clans.

Der Fokus der Untersuchung liegt auf den Diskursen, Medien und Verfahren, durch die sich das Prinzip der Klassenteilung effektiv durchsetzte. Neben den bevölkerungspolitischen Sortiertechniken der Politischen Arithmetik sind es vor allem die ›Neuen Medien‹ von 1700 (Kaffeehaus, Club, Zeitung, Zeitschrift), die als Agenturen einer klassifikatorischen Neuordnung des Sozialen verstanden werden können.

Im Vortrag soll angedeutet werden, wie eine solche genealogische Perspektive dazu beitragen kann, auch die heutigen Prozesse einer Neuformatierung des Sozialen genauer in den Blick zu bekommen. Was als ›Ende der Klassengesellschaft‹ beschrieben wurde, bezeichnet keineswegs das Ende der klassenförmigen Einteilung der Gesellschaft, sondern nur den Übergang zu einem anderen Modus der Klassifizierung. Statt einer Gegenüberstellung großer, statischer Klassen-Blöcke findet man nun ein allumfassendes System der Mikroklassifizierung, der permanenten wertenden Einschätzung und Neugruppierung aller Elemente und Beziehungen nach wechselnden Einteilungskriterien. Merkwürdigerweise kommt das Denken der Klasse damit auf Muster und Mechanismen zurück, die zur Frühzeit der sozialen Klassenteilung gehören. Ausgehend von den in »Class Trouble« beleuchteten Schicksalen des frühen Klassenbegriffs lässt sich eine Diskussion darüber angehen, wie heute Gesellschaft ›formatiert‹ wird, welche Formen der Neuaufteilung des Sozialen sich aus den politischen Technologien und medialen Zurichtungen der Gegenwart ergeben.

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