Sonia Leimer: Dust Buddies
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
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Die Kamera gleitet über eine scheinbar unendliche Fläche – wir sehen unregelmäßige Formen in sanften Erdtönen, Weiß und Schwarz. Das Dargestellte lässt gleichermaßen an eine abstrahierte Landschaft wie an eine materielle Probe denken. Langsam offenbart sich, was wir sehen: eine mikroskopische Welt aus feinsten Staubpartikeln, gesammelt vom Dach des vom Architekten und Theoretikers Charles Jencks (1939–2019) entworfenen Cosmic House in London. Die mikroskopische Reise bildet den Ausgangspunkt von Sonia Leimers 19-minütigem Film Cosmic House, der sich im weiteren Verlauf in einer Architektur wiederfindet, um wenig später in eine weitläufige Naturlandschaft überzugehen.
Leimer spielt mit unterschiedlichen Ebenen der Wahrnehmung und verschiebt den Begriff des Maßstabs von einer rein räumlichen Ordnung hin zu einem relationalen Gefüge aus Zeit und Raum. Staub wird dabei zum Medium der Dauer, in dem sich urbane, materielle und atmosphärische Prozesse einschreiben.
Diese Motive kennzeichnen die in der Ausstellung „Dust Buddies“ versammelten Werke. Eine unmittelbare räumliche Gestalt nehmen sie in den Skulpturen der Werkgruppe Fänger an, die den ersten Raum der Galerie definieren. Aus Aluminium und Kupferrohren zusammengefügt, entfalten sich die raumgreifenden, teilweise symmetrischen Objekte an der Schnittstelle von Skulptur und Architektur. Sie sind nicht abgeschlossen in ihrer Form und im Dialog mit der Umwelt. In diesem Sinn lassen sich die Fänger mit dem Konzept des Archipels des Philosophen Édouard Glissant (1928–2011) lesen, das Identität nicht als geschlossenes Ganzes, sondern als Gefüge aus Beziehungen und Zwischenräumen versteht. Wie Inseln eines Archipels bleiben die Skulpturen eigenständig und doch offen für das, was sich zwischen ihnen ereignet, für das, was sich anlagert, verbindet und in Relation tritt.
Die zweite Werkgruppe der Dust Buddies, die zugleich titelgebend für die Ausstellung ist, setzt sich aus einigen großformatigen und zahlreichen kleineren, auf dem Boden positionierten, Skulpturen zusammen. Sie gehen aus Sonia Leimers intensiver Auseinandersetzung mit einzelnen kosmischen und industriellen Staubkörnern hervor, die sie am Hochleistungsmikroskop des Naturhistorischen Museums Wien beobachtete. Die Dust Buddies aus Bronze, Silikon, Aluminium und Glas sind von diesen gefundenen Partikeln inspiriert und als freie künstlerische Übersetzungen zu verstehen, die das Unsichtbare in den physischen Raum holen.
Als verbindende Ebene zieht sich ein flächiges Display durch alle Räume der Galerie, auf dem einige Skulpturen Platz finden, während andere frei im Raum stehen. Diese Geste eines zusammenführenden, zugleich unabgeschlossenen Sockels lässt sich als weitere Variation des Archipel-Gedankens lesen: als Struktur, die Zusammenhang stiftet, ohne zu vereinheitlichen.