Soñ Gweha. Kôô: Libations for Grief
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
Verbindung zu esel.at
Kuratiert von:
Guilherme Maggessi, Rafał Morusiewicz, Marilyn Volkman
Im Rahmen der Klima Biennale ’26 präsentiert ENTRE Kôô: Libations for Grief, eine ortsspezifische Ausstellung mit Skulpturen, Klang- und Videoarbeiten von Soñ Gweha. Die Ausstellung basiert auf der konzeptionellen und materiellen Kosmologie des laufenden Projekts der* Künstler*in, das den Titel „KÔÔ / ACHATINA / IGBIN: the snail’s queer erotics and the spiral of time“ trägt.
Gwehas Arbeit konzentriert sich auf die Achatina-Schnecke, die unter den Bassa in Kamerun als Kôô bekannt ist und von der Global Invasive Species Database als eine der zerstörerischsten invasiven Arten der Welt eingestuft wird. Obwohl sie oft als biologische Bedrohung dargestellt wird, ist die weltweite Verbreitung der Schnecke untrennbar mit menschlichen Aktivitäten verbunden: koloniale Handelswege, extraktive Landwirtschaft, moderne Methoden der Schädlingsbekämpfung. In den Regionen, in denen sie sich stark vermehrt, sind Menschen ihre beständigsten Feinde, die sie in großem Umfang ernten, züchten und ausrotten. Der Status der Schnecke als „invasive Art“ spiegelt somit die asymmetrische Verantwortung wider, die der Klimakrise selbst zugrunde liegt.
Als heilende spirituelle Wesenheit neu interpretiert, wird die Schnecke hier zum Symbol für gemeinschaftliche Fürsorge und zu einem akustischen Instrument: Ihr Gehäuse dient als Rassel, die revolutionäre Hymnen begleitet, ihre Spitze als provisorische Plattenspielernadel. Indem sie* mit und durch diese nicht-menschliche Spezies lauscht, schlägt Gweha eine Akustik der Dissidenz vor, die sich an revolutionären Praktiken *ihrer Vorfahren orientiert.
In den Mbock-Traditionen des Bassa-Volkes ist der Kôô ein kosmologischer Vermittler, der mit Geduld, Kontinuität und spiralförmiger Zeitlichkeit assoziiert wird, beispielsweise in den Ifa-Traditionen der Yoruba in Nigeria und im afro-brasilianischen Candomblé, wo die Landschnecke (Igbin) ebenfalls mit rituellen Opfergaben und ethischen Beziehungen in Verbindung gebracht wird. Innerhalb dieser Wissenssysteme betrachtet die Ausstellung Trauer – persönlich, gemeinschaftlich und planetarisch – als eine invasive, aber auch schöpferische Kraft und schlägt einen Raum zum Zuhören, Heilen und ökologischen Einstimmen vor.