Ronald Kodritsch: Beziehungen auf Augenhöhe
Verbindung zu esel.at
Öl auf Leinwand, 700 x 300 cm, 2025
Fastentuch der Jesuitenkirche 2026
Ronald Kodritsch ist ein Vielmaler mit dem Talent zum Großmaler. Er malt in umfangreichen Serien und ist imstande, mächtige Formate zu bewältigen, wenn es darauf ankommt. Das Fastentuch der Jesuitenkirche ist sein bisher größtes Bild. Zu sehen sind zwei aufrechte Gestalten vor violettem Grund. Links übereinander getürmte farbige Rechtecke, rechts ein vieläugiger Erdapfel. Beide Gestalten haben oben Augen, über den Rechtecken zwei Ovale mit Punkten, oben am Erdapfel ein weiß gefiedertes Augenpaar, auch mit Pupillen. Die beiden Gestalten schauen sich an. Eine rationale Ordnung begegnet einem organischen Gebilde, das Abstrakte hat Beziehung zum Lebendigen, das einfache Grundnahrungsmittel zum elegant austarierten Kunstgebilde.
Die Kunst von Ronald Kodritsch besteht darin, die unterschiedlichsten Gebilde und Formen zueinander in Beziehung zu setzen. Das Motiv ist ihm ein Vorwand, etwas ganz anderes zu wagen. Er unternimmt Ausflüge ins Phantastische, Komische, Unkonventionelle, nicht Gesellschaftsfähige. Keine Angst vor Peinlichkeiten. Diese starke Malerei mischt Farben und Formen zu eindringlichen Bildern. Größenverhältnisse ändern sich blitzartig, was in einem Bild eben noch riesig groß erscheint, ist in einem nächsten winzig klein. Es gibt Ausflüge ins Traumhafte, eine Welt, mit Kinderaugen betrachtet und die Abgründe von Erwachsenenfantasien. Ronald Kodritsch wagt sich mit seiner Malerei in Bereiche vor, die von der alltäglichen Wahrnehmung kaum berührt werden. Seine Farben- und Formenwelt eröffnet ein Reich des Zauberhaften. Oft unerkannt ist das Wunderbare unser Begleiter mitten in den scheinbaren Banalitäten des immer gleichen Alltags. Und dann kann es geschehen, dass ein vieläugiger Erdapfel mit einem Mal die Augen aufschlägt, dass ein bunter Rechteckstapel zu tanzen und zu balancieren beginnt. Es ist ganz einfach.
Wir sind von einer Bildwelt umgeben, die uns längst gleichgültig geworden ist. Was tagtäglich auf uns einströmt, rauscht an uns vorüber. Niemand ist der Überfülle von Informationen gewachsen. Abgestumpft schlurfen unsere Augen in Bodennähe. Nur keine weiten Horizonte. Die Kunst von Ronald Kodritsch hat etwas Subversives. Sie gibt vor, sehr einfach zu sein. Keine Ausflüge in komplizierte Sachgebiete, keine komplexen Geschichten, eigentlich recht bodenständig, irgendwie vertraut, unheimlich ist das nicht, wie manchmal behauptet wird. Eine Kunst zum Ausruhen? Ist sie das? Sie ist es nicht. Diese Kunst ist bei genauem Hinsehen von einer permanenten Unruhe erfüllt. Es ist der Drang, die einfachen Dinge immer neu zu sehen, immer neu zu malen, immer neu zu gestalten – und ihnen auf diese Weise etwas zu entlocken. Dass nämlich in diesem Einfachen ein Zauber steckt, der sich in Farben und Formen zu erkennen gibt. Die Kunst von Ronald Kodritsch ist daher in einem sehr besonderen Sinn zeitgenössisch. In einer Zeit, die uns mit einer Überfülle an sinnlichen Eindrücken in den Stumpfsinn treiben will, ist diese Kunst eine Hilfe zum rechten Wahrnehmen. Sie macht das nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit dem leichten Augenzwinkern dessen, der weiß, dass es andere und bessere Dinge zu entdecken gibt.
Gustav Schörghofer SJ