Retrospektive: Oshima Nagisa

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Dienstag 27. März 2018

Retrospektive: Oshima Nagisa

6. bis 30. November 2009

Ein Vierteljahrhundert lang war ?shima Nagisa der weltweit meist gefeierte moderne Filmemacher Japans, eine Ikone der kulturellen Aufbrüche in den 60er und 70er Jahren: Im Westen sah man in ihm einen fernöstlichen Godard, in Japan einen Wortführer der jungen, rebellischen Generation, die den Generalaufstand probte und die öffentlichen Debatten prägte. Sein Kino nutzte ,,Sex & Crime”, um gegen die Heuchelei und den Konsenswillen der japanischen Gesellschaft anzukämpfen. Nach seiner subversiven Buñueliade Max mon amour (1986) wurde es jedoch still um ihn: Er konnte nur noch zwei Dokumentarfilme für die BBC sowie 1999 ein gewaltiges Altersmeisterwerk realisieren: Gohatto (Tabu) - ein Samurai-Film mit Takeshi Kitano (und homosexuellem Subtext). Da ?shima nach einem Schlaganfall im Februar 1996 nur bedingt in der Lage war, die Strapazen eines Drehs durchzustehen, stand ihm dabei sein Sohn zur Seite.

Mittlerweile muss man ?shima regelrecht wiederentdecken. Nur wenige seiner Werke - Nackte Jugend (1960), Im Reich der Sinne (1976) oder Merry Christmas, Mr. Lawrence (1983) - sind heute noch zu sehen: drei Augenblicke aus einem unermesslich reichen, vor produktiven Widersprüchen strotzenden OEuvre, das 20 Jahre lang nahezu verborgen blieb. Die Retrospektive mit größtenteils neuen Kopien, die nun in mehreren Städten Nordamerikas und Europas zu sehen ist, ist dementsprechend nicht nur eine kleine Sensation, sondern auch eine riesige Chance: ?shimas Kino ist nämlich ungleich vielgestaltiger und faszinierender, experimentierfreudiger und unterhaltsamer, als es seine bisherige Wahrnehmung ahnen lässt.

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