Nick Random: Generative KI im Comic
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Präsentation und Gespräch: Dominik Hruza
Moderation und Gespräch: Marina Rauchenbacher
Nick Random ist der Autor der ersten KI-generierten Comic-Serie Österreichs. Damit Nick Random überhaupt in Erscheinung treten konnte, trainierte Dominik Hruza das Modell XL von Stable Diffusion mit mehreren hundert Bildern und schuf so eigene Stil- und Personenmodelle, die es ihm erlauben, konzise Bilder für die Geschichten zu generieren. Nach einer mit KI illustrierten Ausgabe von Walter Serners Letzte Lockerung, 2024 bei Moloko-Print erschienen, wollte Hruza ausprobieren, ob es möglich ist, einen Comic zu machen, der diesem Genre gerecht wird. Die Geschichte von Pulp Diffusion ist aus einer unveröffentlichten Kurzgeschichte weiterentwickelt und halb im Scherz, halb im Ernst bezieht sie sich auf poststrukturalistisches Denken Jean Baudrillards, also der Ideen des gesellschaftlichen Zustands, in dem Zeichen und Wirklichkeit als „Hyperrealität“ zunehmend ununterscheidbar werden. Im Laufe der Handlung beginnen die Figuren, sich aufzulösen. Sie reflektieren ihren Entstehungsprozess als von einem Zeichenketten verarbeitenden Programm generiert. Der zweite Band Stuplimity Fiction ist dystopischer, es geht um fragile Erinnerungen, was wahr und was gefälschte Vergangenheit ist. Die Stadt wird hier zu einem Versuchslabor für ein mächtiges künstliches neuronales Netz, das alles zu genieren scheint. Der Titel ist einem Aufsatz von Sianne Ngai entnommen. Sie beschreibt darin Stuplimity als eine paradoxe ästhetische Kategorie. Also die Gleichzeitigkeit von Langeweile und Überforderung, von Erhabenheit und Dummheit. Nick Randoms Comics sind der Versuch, die Möglichkeiten und Grenzen generativer KI auszuloten. Es geht nicht um Effizienz oder darum, Arbeitsschritte zu verkürzen, sondern um eine künstlerische Auseinandersetzung mit diesen neuen Werkzeugen. Die mit Wahrscheinlichkeitsrechnungen operierenden Modelle produzieren etwas, das weder vollständig kontrollierbar noch völlig zufällig ist. Sie operieren in einem Zwischenraum, der neue ästhetische Möglichkeiten eröffnet. Dominik Hruza hinterfragt, wie diese Technologien unsere Vorstellung von Autor:innenschaft, Original und Kreativität herausfordern. Im Literaturhaus Wien stellt er seine Nick Random Reihe im Gespräch mit der Literaturwissenschaftlerin und Comicforscherin Marina Rauchenbacher vor.