Navigating Angst Line-up 2026
Theorie Zivilgesellschaft Diskussion Vortrag
Verbindung zu esel.at
Jedes Jahr gestaltet die Vienna Art Week einen Nachmittag mit inhaltlich vertiefenden Programmpunkten rund um das Motto der jeweiligen Ausgabe, die zum Nach- und Weiterdenken anregen sollen.
In Kooperation mit dem Dorotheum hat die Vienna Art Week den bulgarischen Politologen Ivan Krastev, eine der prägnantesten Stimmen in der Debatte über die Krise der liberalen Demokratie, eingeladen, über den Umgang mit Angst in der heutigen Welt zu sprechen.
Keynote von Ivan Krastev: „When We Went to See the End of the World“
Als wir das Ende der Welt sehen wollten
In Robert Silverbergs Science-Fiction-Erzählung „When We Went to See the End of the World“ aus dem Jahr 1972 war Zeitreisen zur wichtigsten Wachstumsbranche des Landes geworden. Die Menschen verbrachten ihren Urlaub damit, ans Ende der Zeiten zu reisen, um zuzusehen, wie die Welt unter Wasser versank, in Flammen aufging oder einfach verschwand.
Doch während die Liebhaber des Untergangstourismus ihre Geschichten von den letzten Stunden der Welt erzählten, berichteten die Nachrichten, dass ein Erdbeben Kalifornien dem Erdboden gleichgemacht hatte, eine monströse Amöbe die Wasserversorgung vergiftete, der amerikanische Präsident gerade ermordet worden war und Unruhen die Stadt auseinanderzureißen drohten.
Wenn man das Geschehen verfolgt, gewinnt man den Eindruck, dass es – anders als bei den Katastrophen, die man auf weit entfernten Zeitreisen zu sehen bekommt – nicht eine Naturkatastrophe sondern eine politische Katastrophe, die der Welt ein Ende bereitet. Wer das Ende der Welt sehen will, muss nur aus dem Fenster schauen.
Die Welt, in der wir leben, ist nicht sehr anders. Und die Frage ist: Könnte der Schatten der Katastrophe unsere beste Chance sein, die Zukunft der Menschheit zu sichern?
Meine Antwort lautet: Nein.
Ivan Krastev ist Albert Hirschman Permanent Fellow am Institut für Humanwissenschaften (IWM) in Wien und Vorsitzender des Zentrums für liberale Strategien (CLS) in Sofia. Er ist Gründungsmitglied des European Council on Foreign Relations (ECFR) und Mitglied des Global Advisory Council der Europäischen Investitionsbank sowie des Verwaltungsrats von GLOBSEC.
Als Redakteur der Financial Times ist Krastev Autor von Is It Tomorrow Yet? How the Pandemic Changes Europe (2020), The Light That Failed: A Reckoning (2019, gemeinsam mit Stephen Holmes; ausgezeichnet mit dem Lionel Gelber Prize), After Europe (2017), Democracy Disrupted: The Global Politics of Protest (2014) sowie In Mistrust We Trust: Can Democracy Survive When We Don’t Trust Our Leaders? (2013).
Im Jahr 2020 wurde er mit dem Jean-Améry-Preis für europäische Essayistik ausgezeichnet.
Podiumsdiskussion mit Sepp Schellhorn, Bettina Leidl, Kateryna Lysovenko, Oleksandra Saienko und Silvie Aigner
Auf Einladung der Vienna Art Week – in Kooperation mit dem Parnass Kunstmagazin und dem Dorotheum – behandelt ein hochkarätiges Panel die Frage, welchen Beitrag Politik zum Schutz von Kunst und Kultur in Zeiten von Krieg, Repression und bedrohter Demokratie leisten kann.
Wo demokratische Strukturen gefährdet sind, wo Menschenrechte in Gefahr sind und wo Krieg, Verfolgung oder politische Repression den Alltag dominieren, wird die Arbeit von Kunstschaffenden besonders systemrelevant, da sie Resilienz in der Gesellschaft aufbaut. Zugleich sind Kunstschaffende aufgrund ihrer gesellschaftlichen Schlüsselrolle besonders vulnerabel.
Das Thema der diesjährigen Vienna Art Week, „Navigating Angst“, aufgreifend diskutieren bei dieser Podiumsdiskussion Sepp Schellhorn, Staatssekretär im Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten (BMEIA), Bettina Leidl, Direktorin des MuseumsQuartiers Wien, die Künstlerin Kateryna Lysovenko (UA) und die Kulturmanagerin Oleksandra Saienko (UA) mit Moderatorin Silvie Aigner, Chefredakteurin des Parnass Kunstmagazins, über Schutz- und Solidaritätsmechanismen für gefährdete Kunstschaffende und analysieren diesbezügliche Initiativen des Ukraine Office Austria und des Artists Solidarity Program Europe (ASoP) im BMEIA.