Michał Budny: Night

Zeitgenössische Kunst Ausstellung
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2 Termine
Freitag 4. September
Samstag 5. September - Samstag 31. Oktober
Sa 5. Sep. -
Sa , 31. Okt.
Ausstellung
Michał Budny: Night

Eröffnung
19:00

Einführung
Vitus Weh, Leitung Esterhazy NOW
19:30

Das traditionelle japanische Haiku gilt als die kürzeste Gedichtform, deren klassische Fassung seit dem 17. Jahrhundert überliefert ist. Es richtet den Blick auf Naturbetrachtungen, den Verlauf der Zeit und flüchtige Momente und verdichtet diese in wenigen Silben zu einem prägnanten Bild. Michał Budny interessiert sich für diese Motive, die seine in der Ausstellung versammelten Werke prägen. „Die Arbeiten bewahren den Rahmen und den Rhythmus der Komposition, sind minimalistisch und zugleich präzise, und ihre Spannung entsteht eher aus der Beobachtung als aus dem Spektakel“, so Budny.
Betrachtet man die Skulpturen und Objekte, tritt die Nähe zur literarischen Form nicht vordergründig auf, sondern wirkt vielmehr als konzentrierte Setzung. In den metallenen Skulpturen, den Holzreliefs und den textilen Arbeiten steht nicht die Materialität im Vordergrund; sie dient vielmehr als Träger von Erzählungen und Ideen, die in wechselnden Formen auftreten. Hier verdichten sie sich zu einem Motiv: der Nacht, jener unscharfe Erfahrungs- und Projektionsraum, der titelgebend für die Ausstellung ist. Budny begreift die Nacht metaphorisch, für ihn ist sie Teil eines Erfahrungszyklus, den er weder als einen Anfang noch als ein Ende betrachtet. Wie seine Objekte aus Metall, die sich durch präzise Schnitte, eine glatte Oberfläche und kühle Distanziertheit auszeichnen. Sie nehmen die Grundform des Kreises auf, der als Symbol von Gesamtheit, Wiederholung und Vertiefung von Erfahrung gelesen werden kann. Als ausgeschnittene Form und als Spur erscheint der Kreis für Budny wie ein „materialisiertes Muster des Hervorgehens“ und erinnert an Übergänge wie Idee und Schöpfung, Tag und Nacht, Negativ und Positiv.
Die weiteren Arbeiten verdeutlichen, wie Budny Materialvielfalt gezielt einsetzt, um seinem Thema narrative Varianten zu geben. Ein genähtes, dreidimensionales Textilrelief führt elementare Geometrien zu einer Anspielung auf den Zyklus von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang; die halbkreisförmigen Flügel öffnen und schließen sich, die Farbtöne erinnern dabei an das Dämmerlicht. Ein Holzrelief übersetzt diese Bewegung in die Fläche: Linien und Einschnitte ordnen ein Wechselspiel von Verdichtung und Pause, Licht und Schatten. Es wirkt wie ein ruhender Taktgeber, der das Motiv der Nacht als Rhythmus erfahrbar macht.
„Die Welt ist tief, und tiefer als der Tag gedacht.“ Mit diesem Satz aus dem Mitternachtslied in Also sprach Zarathustra erinnert Friedrich Nietzsche daran, dass die Wirklichkeit tiefer reicht als das, was unser Denken bei Tag, unsere Vernunft und die Wissenschaft zu fassen vermögen. Die Nacht öffnet dafür einen Raum weiterer gedanklicher und imaginärer Ebenen. Ein Wesensmerkmal des Haiku ist genau diese Offenheit: Es vollendet nichts, setzt Zäsuren und Leerstellen; erst in der Erfahrung der Lesenden schließen sich die Lücken. In diesem Sinn lässt sich auch Michał Budnys Ausstellung lesen: Sie bietet keine abschließende Deutung, sondern öffnet einen Resonanzraum, in dem unsere Wahrnehmung, Erinnerung und Vorstellung nachklingen.

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