Miao Ying: Come, Sit, Stay
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
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In ihrer ersten Personale in Europa stellt die chinesische Künstlerin Miao Ying eine ungewöhnliche Analogie zwischen künstlicher Intelligenz und der Tierwelt her. Wie kaum eine technische Neuerung zuvor wird künstliche Intelligenz unsere Gesellschaft grundlegend verändern. An das kollektive, ungläubige Staunen darüber schließt Miao Ying mit ihrem bemerkenswerten künstlerischen Schaffen an: Sie führt die technischen Bedingungen von künstlicher Intelligenz vor Augen und thematisiert zugleich den zutiefst menschlichen Wunsch nach Kontrolle über diese neue Technologie.
Kuratiert von Sergey Harutoonian.
Assistenzkuratorin: Vasilena Stoyanova
Zur Ausstellung
Nach künstlerischen Ausbildungen in China und den USA entwickelt Miao Ying ein kritisches, oft ironisches Werk an der Schnittstelle von Technologie, Ideologie und digitalen Bildwelten. Ihre Installationen, Videos und Gemälde thematisieren die Mechanismen digitaler Überwachung, staatlicher Kontrolle und medialer Manipulation. Come, Sit, Stay, der an Hundebefehle angelehnte Titel ihrer Einzelausstellung im Belvedere 21, verweist auf Miao Yings bewusste Gegenüberstellung von Hundeerziehung und KI-Training durch den Menschen: Klar definierte Befehle steuern gleichermaßen Lernen und Kontrolle – sowohl bei Hunden als auch bei künstlicher Intelligenz.
In ihren jüngsten Arbeiten setzt Miao Ying KI-generierte digitale Bilder ein, die sie mithilfe generativer neuronaler Netzwerke unter festgelegten Parametern erzeugt und anschließend in analoge, malerische Formate überführt. So verschränkt sie digitale Technologien mit klassischer Bildproduktion und hinterfragt dabei unsere Wahrnehmung von Realität und Kontrolle. Diese Übersetzung vom Digitalen ins Physische verleiht den oft abstrakten Vorgängen der Datenverarbeitung eine konkrete Form und macht ihre Ästhetik sinnlich erfahrbar. Gleichzeitig greift die Künstlerin auf kulturelle Metaphern zurück, deren Ursprünge lange vor der Entwicklung moderner Computertechnologien liegen. Anspielungen auf mittelalterliche Vorstellungen von Magie, Alchemie und Beschwörung verweisen darauf, dass technische Innovationen immer auch von Projektionen, irrationalen Ängsten und Hoffnungen begleitet werden. Indem Miao Ying diese historischen Bildwelten mit den neuesten Fortschritten der künstlichen Intelligenz verbindet, entsteht ein kritischer wie auch humorvoller Blick auf eine Technologie, deren gesellschaftliche Auswirkungen erst allmählich sichtbar werden.
Biographie
Miao Ying (geboren 1985 in Shanghai) gehört zu jener Generation chinesischer Künstler*innen, deren Sozialisation maßgeblich durch das Aufkommen des Internets, die Ein-Kind-Politik sowie die zunehmende digitale Zensur geprägt ist. Als Digital Native erlebt Miao Ying die schrittweise Transformation eines zunächst offenen Internets hin zu einem durch die sogenannte Great Firewall regulierten System unmittelbar mit.
Die Ausbildung der interdisziplinären Künstlerin beginnt klassisch:
Um an einer Kunstakademie aufgenommen zu werden, wird sie professionell in Zeichnung und Malerei geschult. 2007 schließt sie ihr Studium mit Schwerpunkt New Media Art an der China National Academy of Arts in Hangzhou ab, einer der ersten Bildungseinrichtungen in China, die sich der digitalen Kunst widmet. 2009 folgt ein Masterabschluss in Electronic Integrated Arts an der Alfred University in New York.
In ihrer forschungsbasierten Praxis, die Malerei, Video, Sound und Installationen miteinander verbindet, untersucht Miao Ying die Technologie und Soziopolitik einer global vernetzten Welt ebenso wie jene des modernen China, indem sie die Mechanismen digitaler Überwachung, staatlicher Zensur und sozialer Medien offenlegt. In ihren jüngsten Arbeiten setzt sie sich intensiv mit künstlicher Intelligenz und dem maschinellen Lernen auseinander und entwirft dabei Szenarien der Koexistenz von Mensch und Algorithmus. Bereits heute erscheinen ihre Werke als künstlerische Zeugnisse eines tiefgreifenden technologischen Umbruchs[FE1.1].
Miao Ying lebt und arbeitet in New York und Shanghai.
Ihr wurden Einzelausstellungen an wichtigen internationalen Kunstinstitutionen gewidmet, darunter: Art Museum der University of Toronto (2022); M+Museum, Kowloon (online, 2020); London Art Night (2018); New Museum, New York (2016); Goethe-Institut Peking (2016); Museum of Contemporary Art Shanghai Pavilion (2016); Venedig Biennale (online, 2015); V Art Centre, Shanghai (2014).
Für ihr künstlerisches Werk wurde Miao Ying mit der Porsche-Auszeichnung Young Chinese Artist of the Year 2018/19 geehrt. 2019 erhielt sie zudem das Blackslash Art-Forschungsstipendium an der Cornell Tech, Cornell University, Ithaca, New York, sowie 2022/23 das digitale Forschungsstipendium Pompeii Commitment.