Linda Christanell (Teil 1)

Zeitgenössische Kunst Film Filmreihe
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2 Termine
Mittwoch 11. November
11. Nov.
Mi
18:00
Screening
Programm 1
20:30
Screening
Programm 2

Bevor sich Linda Christanell, eine Schlüsselfigur der österreichischen feministischen Avantgarde, dem Film als Ausdrucksmittel zuwandte, schuf sie nach ihrem Studium der Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien neben Installationen, Performances, Buch- und Fotoprojekten auch textile Skulpturen. Diese Stoffobjekte sind Teil eines größeren Universums von Gegenständen, die in Christanells Filmen immer wieder eine Rolle spielen. Neben ihren eigenen Kunstwerken sind das oft ganz alltägliche Dinge: Modeschmuck, Schuhe, Pelz und Spitze, Postkarten und alte Fotos. Aus diesem üblicherweise weiblich konnotierten Potpourri schafft die Filmemacherin in einer feministischen Umdeutung ein Arsenal an Fetischen, denen sie auf experimentelle Weise filmisches Leben einhaucht. Mit unverwechselbarer Handschrift kreiert Christanell einen schillernden Kosmos aus Bildern, Tönen und Sprache, der gesellschaftspolitische Fragen rund um Rollenbilder, Körper und Sexualität thematisiert.

Linda Christanell hat sich als eine Wegbereiterin des feministischen Filmemachens nicht nur in ihrer Kunst gegen das Patriarchat aufgelehnt, sondern war auch in der Frauenbewegung aktiv. Sie war – gemeinsam mit Künstlerinnen wie Renate Bertlmann, Karin Mack, Moucle Blackout und Margot Pilz – ein frühes Mitglied der 1977 gegründeten IntAkt (Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen), einem Künstlerinnennetzwerk, das sich bis heute für Gleichstellung und politische Mitbestimmung engagiert. Zusammen mit Renate Bertlmann gründete sie zudem das BC-Kollektiv, gemeinsam realisierten sie den Film Objektassoziationen (1976), den wir im zweiten Teil unserer Retrospektive im kommenden Jänner zeigen werden.

Aus Anlass der Ausstellung LINDA CHRISTANELL. Die Gaben der Göttin im Künstlerhaus widmen wir Christanells einzigartigem filmischen Werk eine zwei­teilige Gesamtschau. Unser Team hat seit der Übernahme ihres filmischen Archivs das Ge­samtwerk der Künstlerin digitalisiert und restauriert, überwiegend auf Basis ihrer Super-8- und 16mm-Umkehroriginale sowie Positivkopien aus unserer Sammlung. Während ein Teil der restaurierten Arbeiten in der Ausstellung zum Einsatz kommt, präsentieren wir Christanells 16mm-Filme in analogen Filmkopien sowie ihre Super-8-Arbeiten in digitaler Form. Der erste Teil der Retrospektive, den Sie im November sehen können, bildet die Bandbreite ihres Werks ab: von den frühen Kurzfilmen bis zu Picture Again von 2002, der Film als Material und Kino als Blickregime ins Zentrum rückt. (Andrea Pollach)

In Kooperation mit dem Künstlerhaus, wo von 7.11.2026 bis 7.2.2027 die Ausstellung LINDA CHRISTANELL. Die Gaben der Göttin zu sehen ist.

Linda Christanell (Teil 2) im Österreichischen Filmmuseum: 14. und 15.1.2027 sowie 28. und 29.1.2027 Beginnzeiten und Details werden Mitte Dezember veröffentlicht.

Programm 1

Change Linda Christanell, AT 1978. DCP (von Super 8), sw, 1 min Überlagerungen Linda Christanell, AT 1978. DCP (von Super 8), sw, 1 min Anna Linda Christanell, AT 1981. Buch, Kamera, Schnitt: Linda Christanell; Darstellerin, Stimme: Anna Rheinsberg; Mitarbeit: Doris Lötsch. 16mm, Farbe, 40 min Home Linda Christanell, AT 1984. 16mm, Farbe, 8 min Moving Picture Linda Christanell, AT 1995. 16mm, Farbe, 11 min Rouge et noir Linda Christanell, AT 1993. Buch, Kamera, Schnitt: Linda Christanell; Mitarbeit: Gabriele Szekatsch. 16mm, Farbe, 10 min

In ihren frühen Kurzfilmen untersucht Linda Christanell ein von ihr gefertigtes Textilobjekt, eine zweigeteilte Leinenkugel, poetisch mit der Kamera. Anna emanzipiert seine Protagonistin aus althergebrachten Rollenklischees, indem diese ironisch gebrochen und von den faszinierenden Objektarrangements der Künstlerin ad absurdum geführt werden. In Home ist die Filmemacherin auf Reisen, Bilder aus dem Zugfenster zeigen die Landschaft wie auf einer Leinwand, in Bewegung und teils bis zur Unkenntlichkeit abstrahiert. Moving Picture verschmilzt Stadtansichten auf der Filmemulsion zu unwirklichen Orten, der Schnee fällt nach oben und das Gesicht der jungen Barbara Stanwyck flackert überlebensgroß über Hauswände: Kino als Übergangsraum. Ein mit rätselhaften Gegenständen gedeckter Tisch samt umgestürztem Rotweinglas lässt in Rouge et noir ein Fest vermuten. Oder ist es doch ein geheimnisvolles Ritual? Eine Frau, der einzige Gast, widmet sich mit vollem Körpereinsatz einem üppigen Dessert: “Ah, that’s me – good bye”. (A.P.)

Programm 2

Es war ein merkwürdiger Tag Linda Christanell, AT 1979. 16mm, sw, 8 min Meomsa Linda Christanell, AT 1988; Drehbuch, Kamera, Schnitt: Linda Christanell Texte: Friederike Mayröcker; Musik: Anestis Logothetis; Darsteller*innen: Martina Schmidt; Stimme: Libgart Schwarz. 16mm, Farbe, 42 min Picture Again Linda Christanell, AT 2002. 16mm, Farbe, 10 min Ende – Film (NS-Trilogie Teil 1) Linda Christanell, AT 1996. 16mm, Farbe und sw, 5 min Carrousel deux Linda Christanell, AT 2000; Musik: Dietmar Schipek. 16mm, Farbe, 7 min

Zu Beginn des Programms eine spielerische Versuchsanordnung mit dem eigenen Porträt. Meomsa assoziiert Bilder zu Texten von Friedericke Mayröcker, gesprochen von Libgart Schwarz. In einer nächtlichen Stadtszenerie sind die Worte “Kino” und “Sex” in Neonschrift zu lesen, sie stehen symbolhaft für den erotischen Raum, der sich zwischen den Kompositionen fetischartiger Gegenstände und der Protagonistin aufspannt. In Picture Again schreibt sich Barbara Stanwyck (wie schon in Moving Pictures, diesmal mit einer Szene aus Billy Wilders Double Indemnity), in den filmischen Raum ein, den Christanell aus irisierenden Mehrfachbelichtungen zusammensetzt, die Magie des Kinos erzeugend. Ende – Film, Teil 1 von Christanells NS-Trilogie, zerhackt die Sprache der Nazis und ihre Symbole, sodass die Essenz des Terrors schmerzhaft hervortritt. Carrousel deux schließlich arbeitet ebenfalls mit künstlerischen Zersetzungsmethoden und stellt mit Jacques Prévert die Frage nach der (Un)Möglichkeit der Liebe. (A.P.)

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