Lectures for Future
Theorie Veranstaltungsreihe Vortrag
Verbindung zu esel.at
Sprache: Englisch
Ringvorlesung im Wintersemester 2026/27. Lectures for Future (L4F) ist eine interdisziplinäre Vortragsreihe, die seit dem Wintersemester 2019 an verschiedenen österreichischen Hochschulen angeboten wird. Forschende geben in den L4F Einblicke in ihre aktuelle wissenschaftliche und künstlerische Arbeit zu den Themen Klimakrise und Nachhaltige Entwicklung.
Deep Sustainability: Contemporary Debates on Animism and the Decolonization of Science
Ein Vortrag von Florentine Maier im Rahmen der Ringvorlesung Lectures for Future, veranstaltet von Kunst und Bild | Kontextuelle Malerei und Kunst und Bild | Zeichnung.
Zahlreiche Forschende aus den Bereichen Ökologie, Sozialwissenschaften, Wirtschaft und Geisteswissenschaften sehen im Dualismus zwischen Natur und Kultur eine der wesentlichen Ursachen für die vielfältigen Krisen des Anthropozäns. Dieser Dualismus geht häufig mit einem Nachhaltigkeitsverständnis einher, das die Bedürfnisse und den Nutzen des Menschen in den Mittelpunkt stellt.
Aktuelle Forschungsergebnisse aus so unterschiedlichen Disziplinen wie der Verhaltensforschung an Tieren und Pflanzen sowie der Anthropologie eröffnen neue Perspektiven auf das Verhältnis zwischen Menschen und der mehr-als-menschlichen Welt. Gleichzeitig fordern die Sozial- und Wirtschaftswissenschaften eine Dekolonisierung von Wissen und Forschungsmethoden. Dominante westliche Wissenssysteme sollen hinterfragt und Raum für vielfältige Perspektiven geschaffen werden – insbesondere für indigene Wissenssysteme, die auf einem relationalen Weltverständnis beruhen und andere Formen des Lebens als gleichwertige Bestandteile unserer Welt begreifen.
Der Vortrag zeichnet die zentralen Linien dieser aktuellen Debatten nach und entwickelt einen Vorschlag dafür, wie unterschiedliche Formen des Wissens produktiv miteinander in Beziehung treten und koexistieren können.
Die Lecture wird auf Englisch gehalten.
The Governance of Animals as Problems and Solutions
Ein Vortrag von Claudia Hirtenfelder im Rahmen der Lectures for Future, veranstaltet von Kunst und Intervention | Konzept.
Während Gesetze, politische Maßnahmen und gesellschaftliche Normen häufig als einschränkend wahrgenommen werden, können sie auch als etwas verstanden werden, das Möglichkeiten schafft. Diese Möglichkeiten eröffnen nicht nur Chancen, Ausschlüsse und Frustrationen für Menschen, sondern prägen auch das Leben von Tieren in der Stadt.
Ob und inwieweit urbane Infrastrukturen geschaffen werden, um Tiere in der Stadt zu unterstützen oder ihnen das Leben zu erschweren, hängt maßgeblich davon ab, wie Tiere in politischen Regelwerken definiert und in gesellschaftlichen Vorstellungen positioniert werden. So werden Tiere in der Stadtpolitik im Zusammenhang mit nachhaltiger Entwicklung und Gesundheit auf unterschiedliche Weise als Probleme oder Lösungen verstanden. In einigen Städten gelten Tiere wie Fledermäuse und streunende Hunde als Überträger von Krankheiten, deren Populationen reguliert und kontrolliert werden müssen, um die öffentliche Gesundheit zu schützen. In anderen Städten wiederum werden Tiere wie Muscheln und Bienen als naturbasierte Lösungen verstanden, die dazu beitragen können, die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern.
Der Vortrag untersucht, welche Möglichkeiten und Ausschlüsse für Tiere als gesellschaftliche und politische Subjekte entstehen, wenn sie in der Stadtpolitik und im urbanen Design als Lösungen oder Probleme konstituiert werden. Darüber hinaus geht er der Frage nach, wie die Positionierung von Tieren als urbane Subjekte und die Praxis eines tierunterstützten Designs zu inklusiveren multispeziesbezogenen Vorstellungen beitragen können. Diese könnten wiederum die Entwicklung jener konzeptionellen und materiellen Infrastrukturen fördern, die notwendig sind, um gerechtere und hoffnungsvollere Zukünfte zu gestalten.
Die Vorlesung wird auf Englisch gehalten.
Steps Toward an Ecology of Perception and Mind—Building a Participatory, Holistic Relationship with the World
Ein Vortrag von Daniel Körner im Rahmen der Lectures for Future, veranstaltet von Kunst und Raum | Installation.
Dieser Vortrag untersucht, wie wir die Welt verstehen – wie wir zu dem gelangen, was wir als „Wissen“ über sie begreifen – und wie dieses Verständnis die Art und Weise prägt, wie wir mit ihr interagieren, sie beeinflussen und auf sie reagieren.
Ausgehend von Gregory Bateson sowie weiteren Philosoph:innen, Neurowissenschaftler:innen und Biolog:innen wird untersucht, wie unsere Wahrnehmung im Alltag und in der wissenschaftlichen Praxis durch eine Vielzahl von Faktoren geprägt und beeinflusst wird. Religion, Bildung, Kultur und unsere wissenschaftlichen Erkenntnismodelle filtern und rahmen all das, was wir wahrnehmen, und bestimmen dadurch auch, welche Lösungen wir uns für die großen Herausforderungen unserer Zeit vorstellen können.
Die Lecture wird auf Englisch gehalten.
The climate and environmental footprint of AI
Ein Vortrag von Behnam Zakeri im Rahmen der Lectures for Future, veranstaltet von Kunst und Zeit | Fotografie.
Der Vortrag beschäftigt sich mit dem Verhältnis von künstlicher Intelligenz (KI) und Nachhaltigkeit und legt dabei einen besonderen Fokus auf die Auswirkungen von KI auf die Umwelt. Zu Beginn werden zentrale Grundlagen des Nachhaltigkeitsbegriffs vorgestellt, darunter auch die umweltbezogenen Ziele der Sustainable Development Goals (SDGs) der Vereinten Nationen.
Im Mittelpunkt stehen die direkten Auswirkungen von KI-Berechnungen und – allgemeiner betrachtet – von Rechenzentren auf die Umwelt. Dabei geht es unter anderem um den Bedarf an Materialien und Ressourcen, den Wasserverbrauch, Abfälle und Umweltverschmutzung.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den indirekten Auswirkungen von KI auf die ökologische Nachhaltigkeit. Auf der positiven Seite kann KI beispielsweise bei der Entwicklung neuer Materialien, bei der Beobachtung von Biodiversität und Umwelt, beim Aufbau einer Kreislaufwirtschaft und auf dem Weg zu einer nachhaltigeren Gesellschaft unterstützen.Gleichzeitig setzt sich der Vortrag mit möglichen negativen Folgen auseinander. Dazu gehören unter anderem Rebound-Effekte, eine unverantwortliche Digitalisierung, Elektroschrott sowie negative Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und natürliche Ökosysteme.
Die Lecture wird auf Englisch gehalten.
Designed For Repair: Regeneratives Design Beyond Greenwashing
Ein Vortrag von Alexandra Fruhstorfer im Rahmen der Lectures for Future, hosted by Kunst und Raum | Objekt.
Nicht nur der Kapitalmarkt, auch Designschaffende haben sich in den vergangenen Jahrzehnten grob mitschuldig an Überproduktion und damit einhergehender, unnötiger Ressourcenextraktion gemacht. Das Prinzip der geplanten Obsoleszenz – Dinge absichtlich kürzer haltbar machen – wurde viele Jahre erfolgreich als gestalterisches Werkzeug eingesetzt, um den Konsum anzuheizen und größere Absätze zu ermöglichen.
Das verheerende Ergebnis dieser Gestaltungsphilosophie zeigt sich heute in ökologischen Katastrophen und sozialen Verwerfungen rund um den Globus. Denn tatsächlich werden 80% des Fußabdrucks eines Produktes bereits in der Designphase definiert. Wie also gestalten auf einem Planeten am Limit.
Eine junge Generation Kreativschaffender zeigt, wie das Handwerk der Gestaltung abseits von Ausbeutung und reinem Profit als sorgende, soziale und nicht weniger innovative Praxis begriffen werden kann. Von regenerativen Prozessen bis hin zu spekulativen Experimenten: anhand prototypischer Beispiele veranschaulicht der Vortrag, wie uns zukunftsfähiges Design inspirieren kann, anders über Produktlebenszyklen und unsere Beziehung zu Dingen nachzudenken.
Die Lecture wird in Englisch gehalten.