Lange Nacht der Forschung in der Wienbibliothek
Musik Theater Geschichte Präsentation Kunstvermittlung Konzert
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Bei der Langen Nacht der Forschung erwarten Sie Führungen durch die aktuelle Ausstellung, Workshops mit originalen Beständen und Digitalisaten der Wienbibliothek, eine Spurensuche durch die Theaterwelten Wiens der 1930er Jahre und ein Konzert.
Programm
18:15–19:15 Uhr, 20:00–21:00 Uhr
Führungen durch die Ausstellung „Monument der Stadt. Rathaus Wien“
mit Gerhard Murauer, Kurator Wienbibliothek
17:00–18:00 Uhr
Panel 1: Emilie Matajas „Anständige Frauen“
mit Evelyne Luef und Katharina Prager
Im April 2026 wird der Roman „Anständige Frauen“ der heute vergessenen Bestseller-Autorin Emilie Mataja neu aufgelegt. Die Wienbibliothek im Rathaus bewahrt nicht nur den Nachlass „Emil Marriot“ (so ihr Pseudonym), sondern auch diverse Sammlungen, mit denen man dem außergewöhnlichen Leben Matajas nachspüren kann. Tagebücher erzählen von ihren Ausbruchsversuchen aus der Enge der kleinbürgerlichen Familie, aber auch von Alterseinsamkeit. Briefe zeigen, wie sie als Anfängerin die namhaften Literaten ihrer Zeit als Förderer zu gewinnen versuchte (und statt Unterstützung Heiratsanträge bekam), wie sie ihre steile Karriere managte und wie sie sich als Frauenrechtlerin und Tierschützerin engagierte. Auf einer Forschungsreise durch die originalen Materialien und digitalen Repositorien der Wienbibliothek begegnet man nicht nur einem der ersten Schriftstellerinnenvereine, sondern auch der Wiener Band “The Ninon Fleuron Jazz Ladies” und anderen mehr oder weniger anständigen Frauen.
19:30–20:30 Uhr
Panel 2: Schleppen und Putzen zum Niedriglohn – Arbeiterinnen im neuen Rathaus
mit Isabel Langkabel und Franz J. Gangelmayer
Über die Männer, die das Rathaus planten und baulich wie politisch gestalteten – Bauherren, Ingenieure, Gemeinderäte und Beamte – wissen wir viel. Und das „Neue Rathaus“ wirkte zu Beginn tatsächlich wie ein weitgehend exklusiver Männerort. Doch sowohl während der Bauphase als auch in den ersten Jahrzehnten des Betriebs – als Frauen noch keine politischen Ämter bekleiden durften – waren auch Arbeiterinnen am und im Rathaus tätig. Es soll darum gehen, ihre bislang wenig beachteten Arbeits- und Lebensrealitäten erneut lebendig zu machen, zu verstehen, wie Frauen aus Gesellschaft und Geschichtsschreibung mehrfach und eben auch historisch ausgeschlossen wurden und zu zeigen, wie ihre Spuren sich finden lassen und zu lesen sind.
20:45–21:45 Uhr
Panel 3: Eintauchen in die Theaterwelten Wiens der 1930er Jahre
mit Katrin Kühnert und Sebastian Hoffer
Die Wienbibliothek im Rathaus bewahrt rund 250.000 Theaterzettel und Programmhefte von über 300 Wiener Spielstätten, die von 1720 bis in die Gegenwart reichen. Diese einzigartigen Quellen werden nun erstmals digitalisiert und kostenfrei in unserer Digitalen Bibliothek zugänglich gemacht. Bislang nur nach Theater geordnet, ermitteln wir mithilfe von Citizen Scientist in unserem Crowdsourcing-Projekt „Wiener Theaterzettel 1930-1939“ die genauen Aufführungsdaten von rund 22.000 Theaterzetteln aus 18 Theatern. Dank dieser Einzelerfassung lässt sich der zeitgenössische Spielplan der international vielbeachteten und lebendigen Theaterstadt Wien rekonstruieren. Auch Rückschlüsse auf die Auswirkungen der antiliberalen und antidemokratischen Tendenzen auf den kreativen Spielraum sind möglich. Ausgehend von den originalen Theaterzettel-Konvoluten begeben wir uns auf Spurensuche durch die Theaterwelten Wiens der 1930er Jahre. Welche Stücke waren die Kassenschlager und was floppte? Welche Veränderungen im Spielplan finden wir? Welche Schauspielenden waren am gefragtesten und wo traten sie überall auf? Dabei nutzen wir auch den Theater-Themenschwerpunkt im Wien Geschichte Wiki und das Plakatstudio der Wienbibliothek im Rathaus, das digitale Recherchetool zu einer der größten Plakatsammlungen weltweit.
22:00–23:00 Uhr
Konzert: VERETER und die Woarmen Semmeln
Geschichten aus dem queer-migrantischen Bereich bringen den dringend benötigten Umbruch in die Stadt.