Kollektiv Craft: Indigo
Zeitgenössische Kunst Bildende Kunst Zivilgesellschaft Ausstellung
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Was erzählt eine Farbe über uns? Seit mehr als 6.000 Jahren begleitet Indigo die Menschheit. Seine Geschichte verbindet Pflanzen, handwerkliches Wissen und gemeinschaftliche Arbeit mit Handel und Migration, aber auch mit Kolonialismus, Versklavung, Extraktivismus und wirtschaftlicher Ausbeutung.
Indigo hat keinen einzelnen Ursprung. In Afrika, Asien, Amerika und Europa entwickelten. Gesellschaften unterschiedliche Verfahren, um aus Pflanzen einen dauerhaften blauen Farbstoff zu gewinnen. Über Generationen wurde dieses Wissen weitergegeben und verändert. Entlang der Seidenstraßen und später über globale Seehandelsrouten zirkulierten Indigo und Textilien ebenso wie Pflanzen, Techniken, Muster und Wissen. Das Blau konnte Wohlstand, gesellschaftlichen Rang und spirituelle Zugehörigkeit ausdrücken.
Mit der europäischen Expansion wurde Indigo zugleich zu einer globalen Kolonialware, deren Produktion auf Zwangsarbeit, Versklavung und Ausbeutung beruhte. Doch dagegen formierte sich auch Widerstand: 1859 verweigerten in Bengalen zahlreiche Bäuerinnen und Bauern den weiteren Indigo-Anbau. Ende des 19. Jahrhunderts veränderte die chemische Synthese die Geschichte des Indigos grundlegend. Aus einem kostbaren Naturfarbstoff wurde eine industrielle Massenware – und aus dem Blau von Eliten auch das Blau von Arbeitskleidung und Jeans.
Für INDIGO verdichtet CRAFT diese Geschichte zu einer malerischen Erzählung. Auf Baumwolltextil und Papier entfaltet sich eine visuelle Spur durch Zeiten, Orte und gesellschaftliche Umbrüche. Die Arbeit fragt, wie Wissen entsteht und weitergegeben wird, wer über Rohstoffe und Produktion verfügt und wer von einer globalen Ware profitiert.
Kollektiv CRAFT, das sind Oscar Cueto und Manuela Picallo Gil