Kenji Lim: Wide Eyed Half Light
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
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Die Galerie Reinthaler freut sich, mit Wide Eyed Half Light bereits die vierte Ausstellung des Londoner Künstlers Kenji Lim zu präsentieren – seine zweite Einzelausstellung dieses Mal.
Dämmerung nennt man das Halblicht zwischen Tag und Nacht. Wenn der Tag zu Ende, aber es noch nicht ganz dunkel ist, oder die Nacht weicht, und der Morgen noch fern scheint. Die Dämmerung ist eine Zeit der Veränderung. Sie bildet eine Brücke zwischen zwei Zuständen, die denselben Raum einnehmen, aber niemals gleichzeitig bestehen können. In diesem Übergang entsteht etwas Drittes: Die Welt wirkt gedämpft und undeutlich, ihre vertrauten Grenzen beginnen zu verschwimmen.
In diesem halb hellen, halb dunklen Zwischenraum werden Lebewesen aktiv, die weder dem Tag noch der Nacht angehören. Man nennt sie dämmerungsaktiv – crepuscular. Kenji Lims Arbeiten verorten im Rahmen von Wide Eyed Half Light diesen Dämmerzustand. Die Ausstellung zeigt Kreaturen, die aus dem Halblicht hervortreten: Wesen im Moment der Verwandlung, Spiegel einer Welt, die sich verändert. Ihre Gestalten bewegen sich zwischen dem Bekannten, dem nur Erahnten und dem unheimlich Vertrauten. Ihre Körper sind zugleich tierisch und pflanzlich, sind mit Fingern und Früchten ausgestattet.
Auch wir leben in einer Zeit der Dämmerung. Der ökologische Kollaps schreitet voran, gleichzeitig führt uns der technologische Vormarsch in eine unbekannte Zukunft. Nimmt das Licht zu oder schwindet es? Wir können nicht mit Sicherheit sagen, was gerade geschieht. Erst wenn wir lange genug schauen, beginnen wir, etwas zu erkennen. So ist es auch im Augenblick der Metamorphose: Wer sich nur auf einen einzigen Moment konzentriert, sieht weder, was einmal war, noch, was daraus werden wird. Was jenseits dieses Augenblicks liegt, lässt sich nur erahnen.
Kenji Lim, geboren 1980 in Singapur, lebt und arbeitet in London und Essex (UK). Er studierte Bildhauerei am Londoner Royal College of Art (2017-2019) und der Ruskin School of Art, Oxford University (1999-2002). Kenji Lim arbeitet mit Skulptur, Video, digitaler Collage, Installation und Malerei. Seine Arbeiten spiegeln und brechen unsere Wahrnehmung von Landschaft und Natur im Spannungsfeld von Kultur, Mythos, Philosophie und Metaphysik. Dabei dreht er die gewohnte Blickrichtung und betrachtet westliche kulturelle Normen aus der Perspektive nichtmenschlicher Akteure. Zwischen ökologischem Denken und Fraggle Rock eröffnet seine Kunst Alternativen, unsere Welt und ihre Bewohner wahrzunehmen und zu verstehen.