Karl Sierek: Wege.
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Buchpräsentation und Filmprogramm
In den sechs Bänden der Buchreihe Wege. Spuren und Bahnen der Bewegung im Kino treffen Wegebauten und Bewegungsbilder aufeinander. Seit es das Kino gibt, wird das Furchen von Spuren und Legen von Bahnen durch Land- und Stadtschaften in bewegten Bildern präsentiert, reflektiert und differenziert. Eine der ältesten Fertigkeiten des Menschen, nämlich die Herstellung von Wegen vor Ort, stößt damit auf die Vorstellung von Bewegung im Bild. Dabei befruchten sich die beiden Kulturtechniken des Wegebaus und des Filmemachens wechselseitig. Ihre Bahnungen und Spurungen führen zu jenem Reichtum ästhetischer Ausdrucksformen, der uns bis heute in die Kinos lockt.
Der fünfte Band wendet sich der Untersuchung bahnungsabhängiger Zielbestimmtheit zu. Auf das Studium des Wo? und Wie? der Wege folgt das Interesse am Wohin?. Der erste Teil fragt nach schriftlichen Ankündigungen von Zielen wie etwa Wegweiser und Ortstafeln. Der zweite Teil wendet sich vertikalen Wegen zu: Felswände, die das Gehen auf Händen vorführen, Aufzüge und Treppenanlagen, die sich als Determinanten gesellschaftlicher Stratifizierung erweisen. Das dritte Kapitel kehrt in die Horizontale filmischer Weglichkeit zurück. Es erforscht Auswege, Umwege oder Abwege. Um eine der vielfältigen Funktionen filmischer Treppen zu diskutieren, ist ein kurzes Beispiel der Überschreibung der Eisenstein’schen Odessa-Treppe zu sehen: Odessa Crash Test (Notes on Film 09) (2014, Norbert Pfaffenbichler) unterzieht die Kinderwagen-Einstellungen einer präzisen Versuchsanordnung, welche die Kombinatorik der Vertikalitäten auf den Prüfstand stellt. (Karl Sierek)
In Anwesenheit von Karl Sierek und Dieter Bandhauer
Karl Sierek, Wege. Spuren und Bahnen der Bewegung im Kino (Bd. 5), Wien: Sonderzahl 2026
A Matter of Life and Death
Michael Powell, Emeric Pressburger, GB 1946; Drehbuch: Michael Powell, Emeric Pressburger; Kamera: Jack Cardiff; Schnitt: Reginald Mills; Musik: Allan Gray; Darsteller*innen: David Niven, Kim Hunter, Roger Livesey, Raymond Massey, Kathleen Byron, Robert Coote. DCP (von 35mm), Farbe und sw, 104 min. Englisch
Kaum ein bildpolitisches Konzept hat die raumzeitlichen Dimensionen filmischer Fortbewegung in die Vertikale mehr gesprengt als dieser in den USA als Stairway to Heaven ausgewertete Film. Aus der Aufstiegshilfe, auf welcher Gott den Menschen durch einen Engel das Himmelstor wies, wird eine Brücke, nämlich die der transatlantischen Waffenbrüderschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten gegen die Nazis. Die gewaltige Rolltreppe zwischen Himmel und Erde trennt aber auch zwei Farbwelten. Die himmlische zeigt sich als blasse und sterile Jenseitigkeit des Schwarzweiß-Materials, die irdische erstrahlt in der prallen diesseitsbezogenen Opulenz des gesättigten Technicolor. – Eine verkehrte Welt? (K.S.)
Einführung von Karl Sierek