Johannes Milchram: Gestrüpp
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
Verbindung zu esel.at
LLLLLL artist run space
GESTRÜPP
Johannes Milchram
Residency Opening
Eine Ausstellung im Rahmen der Studio Residence Serie des □□□□□■ 2026
Ausstellungseröffnung
Freitag 10. Juli, 18 Uhr
Ausstellungsdauer bis 10. August 2026
weitere Öffnungszeiten auf Anfrage.
Johannes Milchram selbst beschreibt seine Arbeit als Übersetzungen. Diese Formulierung beruht auf der Rezeption des Künstlers und darauf, wie er der Brache in all ihren Facetten begegnet. Seine Begegnung mit dieser Landschaft im ständigem Wandel führt ihn über die Schotterwege vor Aspern Nord in eine Kulisse, die er selbst als zauberhafte Inszenierung wahrnimmt. Das Zusammenspiel der Baustelle mit ihren Maschinen und Arbeitern, den Werkstoffen, teils auf ihre Einbauten wartend, teils übriggebliebene, der Witterung überlassene Zeugen bereits abgeschlossener Baustrecken, begegnet dem Wuchern von Natur und Pflanzen, Nutzfeldern, bewusst gesäten Mohnfelder und zahllosem Wildwuchs, der wiederum Lebensraum für eine ebenso große Anzahl von Insekten und Tieren ist.
Johannes Milchram nimmt diese Umgebung als fantastisches Gesamtbild wahr. Seine Arbeiten, sämtlich aus an diesem Ort gefundenen Objekten und Pflanzen, fügen diesem Ensemble im Grunde nichts hinzu. Vielmehr bilden sie eine Methodik, durch neue Setzungen Formulierungen vorzunehmen, die es anderen BesucherInnen ermöglichen die Fährte aufzunehmen und diese Orte so zu erleben, wie sie dem Künstler alltäglich begegnen.
Johannes Milchram spricht im Zusammenhang mit diesen Übersetzungen von mentaler Gesundheit. Dies könnte eine Erkenntnis des Künstlers widerspiegeln, welche die in der Zukunft fertig errichtete Stadt, in der die Brache nicht mehr existiert, als das begreift was sie ist, ein abstraktes Ziel, das in seiner Bedeutung die reale Gegenwart überlagert. Johannes Milchram übersetzt diese Erkenntnis, das Paradox dieses Ortes der Stadtentwicklung, in die intime Gegenwart und die persönliche Wahrnehmung der eigenen Lebensumstände und verwebt dies in seinen komplexen Installationen im öffentlichen Raum.
Johannes Milchram zu dieser Arbeit und seinen Aktionen:
„Während Baumaschinen und Wetterphänomene die Landschaft von Aspern Nord verändern, werden im Vorbeigehen, buchstäblich auf dem Weg nach Hause, einige übersetzerische Handgriffe vorgenommen. Eine Reihe von Findlingen, die sich an der Kante der Schotterklippe nächst der Autobahnbrücken-Baustelle befinden, sind weder Kulisse des Geschehens noch Zuschauer des Brückenbaus. Sie besetzen einen Zeitpunkt und bemessen der momentanen Landschaftsform einen Wert. Wer deren derzeitige Besonderheit nicht erkennen kann, den machen sie, in stummer Geste, aufmerksam.
Die Brachlandschaft Aspern Nord hat mit der Fertigstellung der Seestadt ein vermeintliches Ablaufdatum, doch die übersetzerische Praxis kennt keinen Abschluss, nur den nächsten Schritt, nur Erkundung.“
Johannes Milchram studierte Deutsche Philiologie in Wien, befasste sich mit den Kollektiven Versatorium und Neuberg College mit Formen transmedialer Übersetzung und steht seit 2022 in Austausch mit Notgalerie und Land Art Symposium Mohrytsia.