Eine Veranstaltung unter Beteiligung der Abteilung Expanded Museum Studies
Wie lässt sich Klassismus innerhalb wissenschaftlicher Strukturen adressieren, verhandeln und bearbeiten? Das Präsenztreffen der AG Erste Generation Kunstgeschichte an der Universität für angewandte Kunst Wien bringt Interessent*innen und Multiplikator*innen zusammen, um einen klassismuskritischen Austausch anzuregen und Gegenstrategien im Feld der Kunst(geschichte) zu entwickeln.
So entsteht ein Raum, in dem „Klassenfragen” diskutiert und strukturell adressiert werden. Im Zentrum der Veranstaltungen steht nicht nur die kritische Analyse des Feldes der Kunst(geschichte), sondern auch die Entwicklung von Gegenstrategien.
Dass das „schönheitsgenussfähige Auge“ für die Rezeption von Kunst erst gesellschaftlich produziert werden muss und weder anthropologische Konstante noch ubiquitär über den sozialen Raum verteilt ist, hatte bereits Karl Marx betont. Es gehört seitdem zu den Grundannahmen der Kunstsoziologie, dass das Kunstpublikum nicht im Singular zu denken ist. In einer von sozialer Ungleichheit geprägten Gesellschaft ist auch die Kunst in ihren Produktions- und Gebrauchsweisen in Klassenverhältnisse eingebunden. Diesem Tatbestand ist allerdings – in den Kunstwissenschaften wie auch in der Kunstproduktion selbst – nicht immer große Aufmerksamkeit gewidmet worden.
Der Vortrag geht dem Verhältnis von Kunst und Klasse nach. Dazu wird zunächst kurz auf den Klassenbegriff (I) eingegangen, um über den Klassencharakter der bildenden Kunst (II) auf die Ausblendung der Klassen aus der Kunst zu sprechen zu kommen (III). Daran anschließend wird die Sichtbarmachung von Klasse zunächst in der Kunstsoziologie (IV) und schließlich in den Kunstpraktiken selbst diskutiert (V).
Jens Kastner, Priv.-Doz. Dr. phil. habil., ist Senior Lecturer an der Akademie der bildenden Künste Wien und Privatdozent an der Leuphana Universität Lüneburg. Zuletzt erschienen von ihm Klassifikation und Kampf. Zur Aktualität der Kultursoziologie Pierre Bourdieus (Wien, Turia + Kant 2024), Balzac-Lektüren. Studien zur Kultursoziologie (Wien, Turia + Kant 2024) und Internationalismus. Kleine Geschichte einer großen Idee (Münster, Unrast Verlag 2025).
Die Teilnahme an allen Veranstaltungen ist frei.
Anmeldung erbeten per E-Mail an Erste-Generation@ulmer-verein.de
Über die AG Erste Generation Kunstgeschichte
Die AG Erste Generation Kunstgeschichte ist eine seit 2022 existierende Arbeitsgruppe des Ulmer Verein, die für klassistische Strukturen in der Kunstgeschichte sensibilisiert und Klasse zum Thema macht. Im Zentrum der Auseinandersetzung steht die Frage, wie klassistische Strukturen den Zugang zu Forschung und Lehre, deren Methoden und Themen sowie die Sichtbarkeit bestimmter Perspektiven prägen. Die AG widmet sich den Leerstellen, die Klassismus und Bildungsungleichheit im Fach bislang markieren, und beteiligt sich an den Diskursen um eine plurale kunstwissenschaftliche Forschung und Lehre.