Ivana Lazić: saturated soils
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
Verbindung zu esel.at
Saturated soils geht von einem über Generationen erhaltenen Garten aus: dem Garten meiner Großmutter. Im serbischen Dorf Vojska gelegen, wird er durch die landwirtschaftliche Arbeit dreier Frauen genährt: meiner Mutter, meiner Tante und meiner Großmutter. Er etabliert ein materielles Kontinuum zwischen Körpern, Böden, Pflanzen und Zeitlichkeiten, in dem Vererbung und Erbschaft als fortlaufender Prozess der Einbindung und Transformation wirksam wird.
Der Körper, der sich aus dem Garten ernährt, ist bereits in dessen materielle Geschichten verwickelt. Er nimmt den Boden, den er selbst bearbeitet und gepflegt hat, über die Pflanzen und deren Früchte in sich auf, während er zugleich weiterhin Gegenstand vielfältiger Prozesse bleibt, die durch kontinuierliche Austauschvorgänge entstehen.
Denn ein Körper ist weder singulär, noch ist er auf die Grenzen seiner Haut beschränkt. Er konstituiert sich vielmehr durch metabolische Austauschprozesse: durch die Aufnahme, Verdauung und Transformation von Materie, die über die Fiktion körperlicher Autonomie hinausgeht. Was außerhalb des Körpers angebaut wird, wird in ihm kontinuierlich weiterverarbeitet und löst damit jede eindeutige Unterscheidung zwischen Umwelt und Organismus, Kultivierung und Verkörperung auf.
Ein weiterer Aspekt verweist auf die in der Gartenarbeit verankerten Praktiken, die ein Modell der Kontinuität vorschlagen, das auf Fürsorge und Genügsamkeit statt auf Extraktion und Überfluss beruht. Die Vorstellung, dass alles unmittelbar konsumiert, ersetzt oder produktiv gemacht werden muss, wird hier durch eine geduldige und respektvolle Beobachtung natürlicher Zyklen ersetzt, die anschließend zum Zwecke des Wachstums genutzt werden. Die darin eingebettete Zeitlichkeit und die sich wiederholende Performativität der Prozesse der Pflege und Instandhaltung des Gartens sind wesentliche Facetten des Projekts.
Der kontrollierende Einfluss, den der Mensch auf seine Umgebung ausübt, verändert jedoch durch landwirtschaftliche Praktiken das Erdreich – sei es im kleinen Maßstab eines Familienbetriebs oder im industriellen. Sättigung bezeichnet in diesem Sinne einerseits den kumulierten menschlichen Einfluss, der tief in die Bodengeschichten kleinbäuerlicher, familiärer Flächen verankert ist, während sie andererseits den emotionalen Wert und die Fürsorgearbeit hervorhebt, die in jedem Molekül des bearbeiteten Bodens verwurzelt sind.
Saturated soils ist Teil des Projekts Grafting a Garden / The Story of Rose Lilac, das durch das Kulturministerium MA7 und der Stadt Wien im Rahmen des Arbeitsstipendiums 2025 gefördert wurde.