Interaktiver Ausstellungsrundgang
Verbindung zu esel.at
Geschwister führen durch die Ausstellung
Geschwister – super & nervig
Ausgangspunkt für diesen Rundgang durch die Ausstellung Geschwister – super & nervig war die kontinuierliche Zusammenarbeit mit der Klasse 2r der Sportmittelschule St. Pölten. Seit gut einem Jahr ist diese Klasse Kinderbeiratsgruppe, ein Mitwirkungsgremium des KinderKunstLabor. Mit Kinderbeiratsgruppen und Kindern der Kunstideenwerkstatt werden Themen und Inhalte des KinderKunstLabor gemeinsam kreiert und ausgestaltet. Andreas Hoffer, der diese Kinderbeiratsgruppe von Beginn an begleitet, lud die Kuratorin der Ausstellung, Mona Jas, zum kritischen und konstruktiven Gespräch über die verschiedenen Werke, das Konzept und die Künstler:innen mit den Jugendlichen ein.
Im Anschluss daran setzten sich die Jugendlichen sprachlich und zeichnerisch mit den von ihnen favorisierten Werken auseinander. Dabei wurde die Gruppe auch gefragt, ob sich jemand vorstellen könne, einen Rundgang für Besucher:innen anzubieten.
Die Reaktion kam unmittelbar und einstimmig: Die fünf Mädchen der Klasse wollten diese Aufgabe übernehmen – noch bevor klar war, wie ein solcher Rundgang konkret aussehen könnte. Der Wunsch, diesen Rundgang auch vor Presse und Öffentlichkeit zu präsentieren, kam direkt aus der Gruppe selbst. Nach dem gemeinsamen Besuch der Ausstellungseröffnung und den ersten Reaktionen auf das Gesehene wurde ein gesonderter Termin nur mit den Mädchen, vereinbart. In einem ersten gemeinsamen Schritt bewegten sie sich frei durch die Ausstellung und folgten ihrer eigenen Aufmerksamkeit: Welche Werke ziehen an? Wo bleibt man hängen? Welche Fragen entstehen? Aus dieser offenen Annäherung heraus entwickelten sie individuelle Interessen und Schwerpunkte. Darauf aufbauend wählten sie Werke aus, über die sie sprechen möchten. Gemeinsam diskutierten sie, wie ein Rundgang gestaltet werden könnte und was ihnen dabei wichtig ist. Begleitend erhielten sie auch Einblicke in kuratorische Überlegungen, die jedoch nicht als Vorgabe verstanden wurden, sondern als Orientierung im Prozess. Einen zunächst angedachten praktischen Workshop verwarfen die Jugendlichen wieder – zugunsten eines Formats, das stärker auf Gespräch, Austausch und die eigenen Perspektiven fokussiert ist. Die Jugendlichen legen den Rundgang bewusst als offenes, prozessorientiertes Setting an, sie stellen die von ihnen ausgewählten Werke vor, sprechen aus ihrer eigenen Perspektive und treten in direkten Austausch mit den Besucher:innen. Es wird keine festgelegte Dramaturgie geben, vielmehr soll sich das Gespräch situativ aus den Interessen und Zugängen der Jugendlichen und den Reaktionen der Besucher:innen entwickeln. Am Ende des Rundgangs kann der Austausch in ein gemeinsames Weiterdenken oder Mitmachen übergehen. Zentral ist dabei die Verschiebung von Rollen und Hierarchien: Die Jugendlichen übernehmen die inhaltliche Gestaltung und Durchführung eigenständig. Die Vermittler:innen bleiben ausschließlich im Hintergrund, als begleitende Hilfe und um bei Bedarf unterstützend Informationen einzubringen – jedoch ausschließlich auf Einladung der Jugendlichen. Der Rundgang versteht sich damit als Raum, in dem Jugendliche nicht nur über Kunst sprechen, sondern ihre Perspektiven öffentlich formulieren, teilen und zur Diskussion stellen – was auch Ziele der institutionellen Kinderbeiratsgruppen sind.