Ingeborg Bachmann on screen
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Kaum eine andere Autorin hat die österreichische Nachkriegsliteratur so sehr geprägt wie Ingeborg Bachmann (1926–1973). Bis heute zeugen Werk und Persönlichkeit von großer Strahlkraft – überraschend gering sind allerdings die Spuren, die sie in der heimischen Filmlandschaft hinterlassen hat. Zu ihrem 100. Geburtstag folgen wir diesen dennoch – und vereinen darin nicht nur unterschiedliche Zugänge zu Leben und Schaffen, sondern versuchen auch nachzuvollziehen, wie sich das – im wahrsten Sinne des Wortes – »Nach«-Denken über Literatur im Film über die Jahrzehnte gewandelt hat. Als besonderes Highlight präsentieren wir dabei mit INGEBORG BACHMANN – JEMAND, DER ICH EINMAL WAR der preis- gekrönten Filmemacherin Regina Schilling eine sinnliche wie intellektuelle Annäherung aus heutiger Perspektive als Preview.
Schon früh steht Bachmann im Zentrum medialer Aufmerksamkeit: Nach ihrem Durchbruch bei der Gruppe 47 1954 wird sie zur öffentlichen Figur, tritt im Fernsehen auf und prägt ihr Bild aktiv mit. Der Weg ins Kino bleibt jedoch zögerlich. Erste Pläne, ihr preisgekröntes Hörspiel DER GUTE GOTT VON MANHATTAN Anfang der 1960er-Jahre zu adaptieren, verlaufen im Sand, frühe Fernsehadaptionen entstehen ohne ihre Beteiligung und nicht gänzlich zu ihrer Zufriedenheit. Man kann sagen, dass sie im Medium Film erst nach ihrem Tod ein neues Leben beginnt. Die Fernsehproduktion DREI WEGE ZUM SEE von Michael Haneke markiert hier einen vielversprechenden Neuanfang – dennoch verebbt das Interesse an filmischen Bearbeitungen ihrer Texte rasch wieder.
Die Kinoleinwand erreicht sie erst mit Werner Schroeters MALINA (1991), nach einem Drehbuch von Elfriede Jelinek, der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wird, aber auch für kontroverse Diskussionen vor allem innerhalb der Bachmann-Forschung sorgt: Der Film konstruiert und unterstreicht autobiografische Zusammenhänge, die so wohl nicht im Sinn der Romanautorin waren, lautet der Einwand.
Was den (filmischen) Diskurs um Ingeborg Bachmann zu dieser Zeit betrifft, sind Person und Werk untrennbar miteinander verknüpft. Erst jüngere Arbeiten von Ludwig Wüst oder Ruth Beckermann nähern sich der Autorin aus neuen, spannenden Blickwinkeln. Während Bachmanns Texte also die Zeit überdauern, bleibt den meisten filmischen Bearbeitungen ihre Entstehungszeit in vielerlei Hinsicht eingeschrieben.
(Florian Widegger)