IG Timeline: Time In Space III
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Prozesshafte Installation in fünf Teilen in der Gumpendorfer Straße
Wir möchten gemeinsam mit euch den dritten Teil unserer und eurer Timeline eröffnen: Denn was die IG Bildende Kunst ausmacht, entsteht im gemeinsamen Erinnern, im Austausch und darin, Geschichte miteinander weiterzudenken. Sie lebt durch euch, ihr gebt ihr Form und Bedeutung.
Die 1990s und das neue Millenium
Teil III der IG Timeline ist von mehreren gesellschafts- und kulturpolitischen Zäsuren geprägt, die auch die Rahmenbedingungen künstlerischer Arbeit nachhaltig beeinflussten. 1993 setzte das Lichtermeer gegen Hass als eine der größten Demonstrationen der Zweiten Republik ein starkes Zeichen gegen Ausgrenzung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Mit dem EU-Beitritt Österreichs im Jahr 1995 eröffneten sich neue Perspektiven für internationale Kooperationen in Kunst, Kultur und Bildung. Auch ist die IG Bildende Kunst seit 1995 als österreichisches Nationalkomitee bei der International Association of Art IAA/AIAP tätig.
Kunstpolitisch und solidarisch aktiv
Zentrale kunstpolitische Kampfthemen dieser Jahre kreisten um soziale Absicherung, den Umzug der Maroden (1998), als große kunst- und kulturpolitische Demonstration sowie die Weichenstellung für eine breitere Allianz kulturpolitischer Interessenvertretungen, das Folgerecht und die Gründung des Künstler-Sozialversicherungsfonds (2001).
Welcome to Year 2000
Das Jahr 2000 markierte nicht nur den Beginn eines neuen Jahrhunderts, sondern auch die Angelobung der ersten ÖVP – FPÖ Regierung. Die damit verbundenen Einschnitte in der Kunst- und Kulturförderung sowie die internationale politische Isolation Österreichs führten zu breiten Protesten und stärkten zugleich die Solidarität innerhalb der Kunst- und Kulturszene.
Im selben Jahr beschloss der damalige Vorstand des BVÖ eine grundlegende Neupositionierung der Organisation. Aus dem Berufsverband Bildender Künstler Österreichs wurde die IG Bildende Kunst. Der Begriff „Interessengemeinschaft“ spiegelte die Aufgaben und Ziele der Organisation präziser wider und unterstrich ihren kulturpolitischen Anspruch.
Ausstellungen mit kunst- und kulturpolitischer Positionierung
Die IG Bildende Kunst gab den Ausstellungs- und Bürostandort Galerie station3 auf und übersiedelte an den heutigen Standort in der Gumpendorfer Straße – in unmittelbarer Nähe zum Atelierhaus, zum MuseumsQuartier (eröffnet 2001) und zur Secession. Gleichzeitig veränderte sich die Ausstellungspolitik: Einzelpräsentationen traten zugunsten kuratierter Gruppenausstellungen zunehmend in den Hintergrund. Das Programm setzte verstärkt auf Kooperationen, etwa mit dem Land Niederösterreich und KÖR NÖ, sowie auf internationale und diskursive Projekte.
„Übrigens, die Homepage ist da: www.igbildendekunst.at“ (bild.punkt, November 2000) – eine Jahrhundertwende auf allen Ebenen.
Mit der digitalen Transformation veränderten Internet, E-Mail und erste Webseiten die Arbeits- und Kommunikationsformen von Künstler:innen grundlegend. Das Archiv dokumentiert diese mediale Vielfalt – von Videokassetten über CDs und DVDs bis hin zu frühen digitalen Kommunikationsformen.
Parallel dazu entwickelte sich ab 1997 die Publikationstätigkeit: Auf die BVÖ Nachrichten (1997–1999) und station3 (1999–2000) folgte ab 2000 die Zeitschrift bild.punkt. Sie etablierte sich rasch als wichtige Kommunikationsplattform. Archivexemplare können bis heute in der IG eingesehen werden.
Und nicht vergessen: „Die Mitgliedschaft im BVÖ [IG Bildende Kunst] bedeutet also Solidarität mit anderen bildenden KünstlerInnen und die Möglichkeit in die österreichischen Kunst- und Kulturpolitik eingreifen zu können.“ [Sebastian Weissenbacher, station 3, Zeitschrift des BVÖ, 11/1999, S. 4]
Anlässlich des 70-jährigen Bestehens entwickelt sich die IG Bildende Kunst Timeline als ein »wachsender Space im Fast-Forward«: eine raumgreifende, prozesshafte Installation, die Geschichte nicht abbildet, sondern als Material behandelt. Entlang von sieben Jahrzehnten entfaltet sich ein sich stetig veränderndes Gefüge aus Dokumenten, Protokollen, Briefen, Zitaten, Ausstellungsfotografien, Beschwerden und weiteren Archivalien.
Diese visuelle und interaktive Darstellung ist mehr als eine chronologische Ausstellung. Im Fokus stehen nicht nur die Meilensteine der IG und ihre Arbeit für Künstler:innen, sondern auch jene Fragen, die der Verein als Organisation und als politisch-kreative Gemeinschaft immer wieder neu aufwirft – und wie diesen im Sinne gesellschaftlicher Gestaltung begegnet werden kann.
Im Zentrum stehen weniger abgeschlossene Meilensteine als vielmehr fortlaufende Aushandlungsprozesse: Fragen nach Interessenvertretung, Solidarität, Machtverhältnissen, Sichtbarkeit und gesellschaftlicher Verantwortung.
Seit 29. Jänner 2026 an wächst die Installation kontinuierlich. Sie bleibt bewusst unabgeschlossen und erweitert sich bis zum 19. Oktober, dem Gründungstag der IG Bildende Kunst.