IG Timeline: Time In Space I (1956 bis 1977)
Zeitgenössische Kunst Zivilgesellschaft Geschichte Installation
Verbindung zu esel.at
Kumulative Installation in der Gumpendorfer Straße
Gründung
Der erste Teil der Ausstellung IG Timeline widmet sich dem Zeitraum von 1955 bis 1977 und beleuchtet die Gründungsphase des Berufsverbands Bildender Künstler Österreichs sowie seine frühen Erfolge. In diesen Jahren kristallisierten sich zentrale thematische Schwerpunkte in der Arbeit des BVÖ heraus, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.
Ausgangspunkt für die Gründung war die damals drohende Benachteiligung bildender Künstler:innen im Allgemeinen Sozialversicherungsgesetz (ASVG). Um eine Verschlechterung ihrer Situation abzuwenden, formierte sich ein Aktionskomitee, das bei den zuständigen Ministerien intervenierte – mit Erfolg.
Diese erste Phase war jedoch nicht nur von Erfolgserlebnissen geprägt. Die finanzielle Lage im Kunst- und Kulturbereich erwies sich als äußerst schwierig und erforderte kontinuierlichen Einsatz sowie großes Verhandlungsgeschick. Ein Zitat aus dem Jahresbericht des BVÖ von 1962 klingt dabei bemerkenswert aktuell: „Die im Vorjahr drohende Kürzung des Kulturbudgets veranlasste uns, beim Bundeskanzler, Vizekanzler, Finanzminister […] vorstellig zu werden, dessen Tatkraft es jedoch gelang, das Ärgste zu verhindern.“
Die Recherche zu dieser frühen Phase förderte nicht nur bislang unbekannte Informationen zutage, sondern machte auch ambivalente und verdrängte Aspekte der Verbandsgeschichte sichtbar. Die drei ersten Präsidenten des BVÖ – Alfons Riedel, Carry Hauser und Victor Slama – unterschieden sich in ihrer politischen Zugehörigkeit während der NS Zeit grundlegend. Eine vertiefende Aufarbeitung, unter Einbeziehung der Archive des Künstlerhauses und der Secession, steht noch aus und soll ein differenzierteres Bild dieser prägenden Persönlichkeiten ermöglichen.
Für die Ausstellungsvorbereitung wurde umfangreiches Textmaterial gesichtet, vor allem Protokolle und Jahresberichte. Das vorhandene Bildmaterial stammt überwiegend aus dem erhaltenen Archiv unserer Galerie auf der Stubenbastei, die 1964 gegründet wurde mit dem Ziel „die Gesamtheit der Bevölkerung mit und durch das gute Kunstwerk anzusprechen und zu gewinnen“. (Jahresbericht des BVÖ, 1961). Reproduktionen originaler Ausstellungs-plakate sowie zwei Originalgrafiken aus frühen druckgrafischen Editionen geben Einblicke in die Ausstellungstätigkeit dieser Zeit.
Jedes Jahr ist einem eigenen Blatt gewidmet, gestaltet mit Zitaten, Protokollauszügen oder Bildmaterial und auch zur freien Entnahme vorgesehen. Ein wesentlicher Bestandteil der IG Timeline sind darüber hinaus persönliche Erinnerungen, Fotografien und Schriftstücke aus dieser Zeit, die Mitglieder und Zeitzeug:innen beisteuern können. Auf diese Weise sollen bestehende Archivlücken geschlossen und ein umfassenderes Verständnis der Tätigkeit, des Einflusses und der Rolle der IG Bildende Kunst über die Jahrzehnte hinweg ermöglicht werden.