Hermann Nitsch. von sonnenaufgang an
Zeitgenössische Kunst Bildende Kunst Performance Kunst Ausstellung
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Das nitsch museum Mistelbach eröffnet die Saison 2026 am Samstag, 21. März 2026 um 18:00 Uhr mit der Ausstellung „Hermann Nitsch. von sonnenaufgang an“. Die von Julia Moebus-Puck, Direktorin der Sammlungen im Wiener Aktionismus Museum, kuratierte Ausstellung widmet sich Nitschs Bezügen zum Sakralen und zur christlichen Liturgie. Sie zeichnet seine künstlerische Entwicklung von 1980 bis zu seinem Tod nach. Dabei wird die Ausstellung selbst zu einem sakralen Erfahrungsraum.
„ich wollte kirchenmaler werden“, sagte Hermann Nitsch einmal über sich. Kirchenmaler ist er nicht geworden – doch das Sakrale bildet den innersten Kern seines weltberühmten Gesamtkunstwerks, des Orgien Mysterien Theaters. Seit seinen ersten theoretischen Entwürfen von 1957 verstand Nitsch religiöse Rituale aller Kulturen als sinnliche, symbolisch verdichtete Formen, die in die Tiefe des menschlichen Seins führen. Kelche, Kreuze, Monstranzen und liturgische Farben sind für ihn keine bloßen Zitate, sondern Träger existenzieller Erfahrung.
Aufgewachsen im katholisch geprägten Wien der 1940er- und 1950er-Jahre, erkannte Nitsch früh, dass die Sinnlichkeit dieser Riten – ihre Körperlichkeit, ihre Gerüche, Farben und Töne – in der modernen Gesellschaft zu verschwinden drohte. Sein Orgien Mysterien Theater sollte diese Intensität zurückholen: ein Raum, in dem Leben in all seinen Extremen erfahrbar wird – Freude und Schmerz, Geburt und Tod, Überwältigung und Befreiung.
Die Ausstellung „Hermann Nitsch. von sonnenaufgang an“ widmet sich dieser sinnlichen Dimension seines Werks. Malereien in liturgischen Farben, Landschaftsaufnahmen, Videos und klangliche Elemente verdichten sich zu einem atmosphärischen Erfahrungsraum. Die Natur – das Weinviertel, das Licht, die Elemente – wird dabei zum zentralen Schauplatz. Im 6-Tage-Spiel, dem umfassendsten Projekt des Orgien Mysterien Theaters, beginnt jede Phase „von sonnenaufgang an“. Es ist die Natur selbst, die den Rhythmus dieses Werks bestimmt.
Nitsch verstand sein Theater als ästhetisches Ritual der Existenz. Das Fest wird zum Drama, das Drama zur Katharsis. Die Welt soll angenommen werden – in ihrer Schönheit und ihrer Grausamkeit, ihren Glücksmöglichkeiten und Abgründen. Das Ziel ist ein Zustand der gesteigerten Wahrnehmung, eine mystische Verdichtung des eigenen Daseins, die sich bis in einen umfassenden Sinn des Lebendigseins steigert.
Die Ausstellung zeigt selten präsentierte Arbeiten, darunter von Hermann Nitsch selbst aufgenommene Landschaftsvideos, und lädt dazu ein, das Orgien Mysterien Theater nicht als Provokation, sondern als visionären Versuch zu verstehen, die existenzielle Tiefe des Lebens neu erfahrbar zu machen.
Zeitgleich widmet sich die Eröffnungsausstellung des WIENER AKTIONISMUS MUSEUM ab Mitte März 2026 dem bedeutenden Frühwerk von Hermann Nitsch.
Hermann Nitsch
Hermann Nitsch (1938–2022) zählt zu den bedeutendsten österreichischen Künstlern der Nachkriegszeit und ist eine der zentralen Figuren des Wiener Aktionismus. Mit seinem Orgien Mysterien Theater entwickelte er über Jahrzehnte hinweg ein radikales Gesamtkunstwerk, das Malerei, Aktion, Musik, Philosophie und Ritual vereint. Sein Werk ist international in Museen, Sammlungen und bei Aufführungen präsent und prägt bis heute den Diskurs über Kunst, Ritual und Existenz.
Das nitsch museum Mistelbach
Das nitsch museum Mistelbach zählt zu den größten monografischen Museen Österreichs. Es befindet sich im Weinviertel, wo Hermann Nitsch lebte und arbeitete, und wurde vom Architektenteam archipel architektur + kommunikation in enger Abstimmung mit dem Künstler geplant. Die Architektur orientiert sich am Idealplan einer Klosteranlage. Seit seiner Eröffnung 2007 widmet sich das Museum dem Werk Hermann Nitschs sowie seit 2024 auch Ausstellungen von Künstler, die von ihm beeinflusst wurden, und internationalen Gegenüberstellungen.