Hermann Nitsch 1960–1965
Zeitgenössische Kunst Bildende Kunst Performance Kunst Ausstellung
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Zwischen 1960 und 1965 formt Hermann Nitsch eine radikale künstlerische Sprache von bemerkenswerter Konsequenz – und legt damit bereits in jungen Jahren die Grundlagen seines gesamten Œuvres.
Die Ausstellung versammelt über 100 Arbeiten aus dieser Zeit und spannt den Bogen von frühen Schütt- und Rinnbildern über Reliktmontagen bis hin zu Werken vor 1960, die den Übergang vom geschulten Grafiker zum eigenständigen Künstler sichtbar machen.
Mit Blut überschüttete Menstruationsbinden, Pflaster und Taschentücher in Kombination werden in Kombination mit liturgischen Geräten und Gewändern zu zentralen Bedeutungsträgern. Sie verweisen auf Wunde, Heilung und Transformation und verbinden körperliche Spuren mit symbolischen Ebenen.
Nitschs Werk entsteht im gesellschaftlichen Klima des Nachkriegsösterreichs – einer Zeit, die stark von Verdrängung, Schweigen und dem Wunsch nach Ordnung geprägt ist. Durch das expressive Schütten und Rinnenlassen von Farbe, durch das Sichtbarmachen von Blut, Wunde und Opfer insistieren sie auf der physischen Realität von Leben und Tod. Das Bild wird zu einem Ort, an dem existenzielle Zustände nicht verdeckt, sondern unmittelbar sinnlich erfahrbar werden sollen.
Kuratiert von: Julia Moebus-Puck