Gottfried Bechthold: Betonporsche

Zeitgenössische Kunst Ausstellung
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1 Termin
Mittwoch 29. April - Sonntag 11. Oktober
Mi 29. April -
So , 11. Okt.
Ausstellung
Gottfried Bechthold: Betonporsche

Gottfried Bechtold (*1947) zählt zu den prägenden Figuren der österreichischen Gegenwartskunst. Seit den späten 1960er-Jahren entwickelt er eine konsequent konzeptuelle, medienübergreifende Praxis, die Skulptur, Fotografie, Zeichnung, Text und performative Setzungen im öffentlichen Raum umfasst. Sein Werk ist geprägt von einer präzisen Analyse gesellschaftlicher Symbole, von Fragen nach Wahrnehmung, Wertzuschreibung und den Bedingungen von Kunstproduktion selbst.

Internationale Bekanntheit erlangte Bechtold insbesondere durch seine Auseinandersetzung mit dem Automobil als kulturellem, ökonomischem und ideologischem Objekt. Seit den 1970er-Jahren beschäftigt ihn das Auto als Projektionsfläche für Fortschrittsglauben, Mobilitätsversprechen, Statusdenken und individuelle Freiheit.

Der Betonporsche gehört zu den ikonischsten Arbeiten Bechtolds. Die Skulptur ist eine originalgetreue Kopie eines Porsche 911, gegossen aus massivem Beton. Was normalerweise für Geschwindigkeit, Eleganz und technische Perfektion steht, wird hier buchstäblich schwer, unbeweglich und monumental. Der Werkstoff Beton – Sinnbild für Dauer, Bauindustrie und urbane Infrastruktur – steht in radikalem Gegensatz zur Idee des Sportwagens. Bechtold entzieht dem Objekt damit seine Funktion und transformiert es in eine Skulptur, die Mobilität negiert und zugleich deren kulturelle Überhöhung sichtbar macht.

Ende April 2026 wird ein Betonporsche aus der Serie Elf Elf (2006) im Innenhof des Hanuschhofs auf dem sogenannten „Direktorinnenparkplatz“ einparken. Die tonnenschwere Skulptur konterkariert die Versprechen von Geschwindigkeit, Freiheit und individueller Verfügbarkeit, die mit dem Automobil verbunden sind. Im spezifischen Kontext des Hofes entfaltet die Arbeit darüber hinaus einen subtil ironischen Kommentar zu Fragen von Besitz, Privilegien und zur hierarchischen Organisation von Raum – insbesondere im Hinblick auf Parkflächen als Zeichen von Macht und Status.

Bechtolds Interventionen im öffentlichen Raum zeichnen sich stets durch ihre präzise Setzung aus: Der Betonporsche wirkt auf den ersten Blick vertraut und irritiert zugleich durch seine physische Präsenz und Materialität. Gerade diese Ambivalenz – zwischen Wiedererkennbarkeit und Verfremdung – ist zentral für Bechtolds künstlerische Strategie. Seine Arbeiten fordern dazu auf, alltägliche Symbole neu zu lesen und ihre gesellschaftlichen Bedeutungen zu hinterfragen.

Im Auditorium werden ergänzend Fotografien, Filme und serielle Arbeiten gezeigt, die den Betonporsche kontextualisieren und Bechtolds langjährige Auseinandersetzung mit dem Motiv des Autos sowie mit Fragen von Reproduktion, Serie und Dokumentation sichtbar machen. Diese Arbeiten verdeutlichen, dass der Betonporsche nicht als singuläres Objekt zu verstehen ist, sondern als Teil eines über Jahrzehnte entwickelten künstlerischen Denkraums.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.
Kuratiert von: Verena Kaspar-Eisert und Rolf H. Johannsen

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