Flora Franke: Landschaft zwischen Fragment und Form
Zeitgenössische Kunst Installation
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Landschaft zwischen Fragment und Form
Die Fotografie bildet den Ausgangspunkt meiner künstlerischen Praxis. Sie hat meinen Blick auf die Welt geprägt und beeinflusst, wie ich Landschaften, Oberflächen und Formen wahrnehme. Mich interessieren Risse, Ablagerungen, Gesteinsformationen, Pflanzenstrukturen und unregelmäßige Oberflächen. Durch das genaue Beobachten und Sammeln solcher Eindrücke entsteht ein fotografisches Archiv, das weniger konkrete Orte als vielmehr Möglichkeiten des Sehens festhält.
Aus dieser fotografischen Wahrnehmung heraus entwickle ich skulpturale Formen. Was ich in der Welt finde und als Bild festhalte, übersetze ich in etwas Dreidimensionales. Dabei entstehen freie Formen, die an Gestein, Erde, Wurzeln oder natürliche Ablagerungen erinnern, ohne eine bestimmte Landschaft abzubilden. Mich interessiert der Moment, in dem etwas Gemachtes wie etwas Vorgefundenes erscheint und sich die Wahrnehmung zwischen Vertrautem und Fremdem bewegt.
Die Verwendung bereits vorhandener Materialien bildet eine grundlegende Bedingung meiner Arbeit. Statt Materialien gezielt neu zu beschaffen, arbeite ich mit dem, was im Alltag verfügbar ist und bereits im Umlauf war. Gebrauchte Eierkartons und über längere Zeit gesammelte Obst- und Gemüsenetze aus Cellulose werden zum Ausgangspunkt meiner Skulpturen. Nachhaltigkeit verstehe ich dabei nicht als zusätzliches Merkmal, sondern als Konsequenz meiner künstlerischen Entscheidungen. Mich interessiert, welche Formen aus vorhandenen Materialien entstehen können und wie sich ihre ursprüngliche Funktion verändern lässt.
Durch Einweichen, Formen, Häkeln und Verflechten entwickle ich neue Strukturen. Das Material gibt dabei nicht nur die technischen Möglichkeiten vor, sondern beeinflusst auch die Entstehung der Formen. Aus Verpackung wird eine Hülle, aus einzelnen Fragmenten entsteht ein zusammenhängender Körper. Die Spuren der ursprünglichen Materialien bleiben sichtbar und verbinden den Herstellungsprozess mit ihrer Herkunft und ihrem früheren Gebrauch.
Die Arbeiten platziere ich direkt auf einer Wiese, ohne Sockel oder klar abgegrenzten Ausstellungsraum. Gras, Erde, Licht und Wetter werden Teil der Arbeit. Regen, Feuchtigkeit und Zeit verändern die Oberflächen, lösen einzelne Schichten und lassen die Formen allmählich zerfallen. Ich gebe damit einen Teil der Kontrolle ab: Die Skulptur ist nicht als dauerhaftes Objekt gedacht, sondern als etwas, das sich mit seiner Umgebung verändert und schließlich wieder in Fragmente auflösen kann.
Landschaft zwischen Fragment und Form beschreibt einen fortlaufenden Prozess zwischen Finden und Erfinden, Natur und Konstruktion, Entstehung und Zerfall. Mich interessiert nicht die Darstellung einer bestimmten Landschaft, sondern der Moment, in dem Landschaft durch Wahrnehmung entsteht – wenn ein Stück Papier an Gestein erinnert, ein Netz wie ein Nest erscheint oder eine künstliche Form beginnt, sich in ihre Umgebung einzuschreiben.