Fliegende Katzen im Gemeindebau
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Christine Nöstlinger (1936–2018) läutete in den 1970er Jahren eine neue, antiautoritäre Bewegung in der österreichischen Kinder- und Jugendliteratur ein. Bis heute haben ihre Werke nichts an Aktualität eingebüßt. Oft stehen Außenseiter*innen im Mittelpunkt, die die vorherrschenden Machtverhältnisse und traditionellen Rollenbilder in Frage stellen.
Mit ihrem legendären Debüt „Die feuerrote Friederike“ gelang Nöstlinger 1970 der literarische Durchbruch. Darin fliegt Friederike, ein rothaariges Mädchen, das „anders“ ist und gemobbt wird, am Ende mit ihrer Katze davon. Mit ihrem 1973 erschienenen autobiografischen Roman „Maikäfer, flieg!“ führte Nöstlinger als eine der Ersten die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus in der Kinder- und Jugendliteratur ein. Ihr soziales und politisches Engagement galt stets der Toleranz, Gleichberechtigung und den Rechten von Kindern.
Es folgten über 150 weitere Bücher, die in 45 Sprachen übersetzt, mehrfach verfilmt und erfolgreich für das Theater adaptiert wurden. Ikonische Figuren wie Mini oder Franz begleiten und begeistern junge Leser*innen seit Jahrzehnten.
Der Nachlass Nöstlingers ist seit 2025 Teil der Sammlungen der Österreichischen Nationalbibliothek und bietet seltene Einblicke in ihr Werk. Die Schau im Foyer im Literaturmuseum zeigt bisher unbekannte Manuskripte, Zeichnungen und Fotos, die den Schaffensprozess und Werdegang dieser unkonventionellen Autorin sichtbar machen.
Die Vielfalt ihres Werks jenseits der Kinderliteratur wird besonders in Nöstlingers Dialektgedichten deutlich. Zentraler Schauplatz ist nicht selten der Wiener Gemeindebau. Bis zuletzt erwies sie sich als scharfe Beobachterin verschiedener Gesellschaftsschichten, sozialer Konflikte und Missstände. Berührende Briefe von Leser*innen zeugen von Christine Nöstlingers Wirken und Nachwirken über Generationen und Altersgrenzen hinweg.
Kuratorin: Arnhilt Inguglia-Höfle