Film und die "Sexuelle Befreiung", 1963-1976: WR - Mysterien des Organismus

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Dienstag 27. März 2018

Ein Science-Fiction-Film über Milena, die jugoslawisch-marxistisch-reichianische Kosmetikerin, die sich in den sowjetischen Eiskunstlaufmeister Vladimir Ilyich verliebt und darüber buchstäblich wie bildlich den Kopf verliert. Es könnte sich auch um eine Groteske handeln. Oder um einen AV-Reformzirkus. Wahrscheinlich ist Makavejevs Montage-Monument WR alles zugleich, so wie auch ein Dokumentarfilm, ein Trivial Pursuit für fortgeschrittene Wilhelm-Reich-Verehrer, ein kulturkritischer Essay, ein Porno. Und wer weiß, was noch: Wenn Material aus einem Nazi-Wissenschaftsfilm über Psychiatrie und Euthanasie als Ersatz für entsprechende Bilder und Töne Stalin-sowjetischer Provenienz herangezogen wird, ist schlichtweg alles möglich. Genauer: Bei einem Werk, das derart frei und froh die Grenzen des Kinos auflöst und aus reiner Lust am Paradox auch die Freiräume sprengt, muss alles möglich sein. (R.H.)

* * *

“Kino wider die Tabus” betrachtet die Zeit um 1968 durch ein spezielles Prisma: die filmische Darstellung sexueller Handlungen. Der Titel ist eine Hommage an Amos Vogels berühmtes Buch Film as a Subversive Art (1974), dessen deutsche Erstausgabe Kino wider die Tabus hieß. Das Originalcover war geschmückt mit einem Bild aus Dušan Makavejevs “Skandalfilm” über den Psychoanalytiker und Sexualforscher Wilhelm Reich: WR - Mysterien des Organismus (1971). Reichs sexualpolitische Arbeiten hatten (vor allem in Europa) theoretische Grundlagen für die “sexuelle Revolution” geliefert - ein Zusammenhang, der zur Zeit, zwischen Reichs 50. Todestag und dem 40. Jahrestag des Mai ’68

14. März bis 6. April 2008

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