Felix Malnig: Langsamer Sommer

Zeitgenössische Kunst Ausstellung
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2 Termine
Dienstag 12. Mai
Mittwoch 13. Mai - Samstag 20. Juni
Mi 13. Mai -
Sa , 20. Juni
Ausstellung
Felix Malnig: Langsamer Sommer

“Ein langsamer Sommer”

Als sich Paul Cézanne, erzürnt über den Pariser Kunstbetrieb, in seine Vaterstadt Aix im Süden von Frankreich zurückzog, ahnte er nicht, dass seine kommende Auseinandersetzung mit dem Wesen der Malerei die Kunst des 20. und 21. Jahrhundert revolutionieren würde.
In seinen Bildern des Mont Sainte Victoire versuchte er die Erfahrungen der Impressionisten mit farbigen Schatten und flimmerndem Licht umzusetzen, ohne die Ordnung der Komposition zu stören. So sind die Farbquader der Häuser harmonisch aufeinander abgestimmt une voneinander abgesetzt. Ein angedeutetes Viadukt pflügt sich wie eine Linie durch die Landschaft.

Der Verweis auf Cezanne in Bezug auf das Werk von Felix Malnig sei hier erlaubt, beschäftigt sich der österreichische Künstler doch mit Fragen des Farbauftrags, der Farbintensität, dem Verhältnis von Farben zueinander sowie der Darstellung von Licht und Schatten. Auch das Verhältnis von Linie und Kontur zu Farbe, Farbauftrag und Farbkörper sind wesentliche Themen in der Kunst von Felix Malnig.

Seit 2017 arbeitet er mit Unterbrechungen an der Serie „Langsamer Sommer“ *. Dabei ergänzte er bei und nach einem „Artist in Residence“-Aufenthalt in Schweden die Serie. Es war die Zeit des Mittsommers die Malnig erlebte, als endlose Tage mit speziellem Licht die Nächte verdrängten.

Zu sehen in dieser Serie sind Sonnenbadende auf einer Wiese im Park, Sitzende in Tretbooten und auf Padddleboards sowie Badende am Steg. Dabei ist der Untergrund oft nur angedeutet. Auch die Gesichter der gezeigten Figuren werden nicht ausgearbeitet und bleiben unvollendet. Malnig wendet sich in dieser Arbeit nach längerer Unterbrechung, dem menschlichen Körper zu. Er entindividualisiert die Protagonisten, indem er die Gesichter unbestimmt lässt und schafft damit eine gewisse Distanz zwischen Bildgegenstand und Betrachter. Er paraphrasiert die Dargestellten, die manchmal nur in Rücken- oder Seitenansicht zu sehen sind. Und dennoch ziehen diese strahlenden Wesen den Betrachter in ihren Bann.

Die Farbe der Kleider der Figuren und ihr Inkarnat sind in mehr oder weniger breiten Pinselstrichen gesetzt, wobei Malnig stellenweise scharf konturiert. Der Künstler verwendet dafür Abdeckklebebänder, die aber nicht immer als Malgrenze fungieren. Manchmal malt Malnig auch darüber. Es ist der Wechsel von abgezirkeltem Realismus und Abstraktion, der in der Darstellung einer Figur beginnt und sich in einem abstrakten Farbfeld fortsetzt.

Der oft gelblich-grüne Farbgrund erscheint wie eine aufgeklappte Fläche auf der sich die Protagonisten gruppieren. Ja, sie scheinen in einem Meer von Farbe zu schwimmen.

Licht und Landschaft der schwedischen Küste sowie ihre Seen haben Malnig nachhaltig beeindruckt. So finden sich auch Darstellungen von Figuren am Wasser, wobei die Wasseroberfläche in grün, blau und in den hellen Reflexionen der Badenden schimmert. Auch der Horizont in den erwähnten Arbeiten scheint teilweise mit der dargestellten Wasseroberfläche zu verschmelzen.

Die hier gezeigte Ausstellung ist die zweite Einzelausstellung von Felix Malnig in der Galerie Steinek. 2024 war er mit der Ausstellung „Vertigo“ zu Gast und zeigte Getreidesilos, Fernsehtürme und Brücken in unbestimmter Landschaft. Meist handelt es sich um Monumente, die durch Transiterfahrungen bestimmt sind, so auch bei den Grenzübergängen entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs zwischen Österreich und Ungarn, Tschechien oder der Slowakei. Trotz der Abwesenheit von Personen in diesen Bildern, erfassen die Arbeiten die ehemalige Betroffenheit von Menschen. Es sind Stätten, wo menschliche Schicksale verhandelt wurden. Oder es ist eine der vielen Autobahnbrücken, die wir mit dem Auto passieren.

Mit seiner jüngsten Werkserie hat sich Malnig 2024 und 2025 erneut mit der menschlichen Figur auseinandergesetzt. Dies gibt dem Künstler die Möglichkeit sein gesamtes künstlerisches Können mit Farbe, Plastizität, Licht und Schatten zu zeigen.

* Titelgebend für diese Werkserie war der semidokumentarische Film „Langsamer Sommer“ von John Cook von 1976. Darin erzählt Cook von einem Sommer zwischen Wien und Aufenthalten auf dem Lande in den 70er Jahren.

Susanne Rohringer, Mai 2026

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