Double Take
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DOUBLE TAKE zeigt Arbeiten zweier Künstlerinnen, die sich – unter anderem – im Bereich Art and Science etabliert haben: Wandskulpturen und ein freistehendes Objekt von Darja Shatalova werden einer Reihe fotografischer Arbeiten von Ulrike Königshofer gegenübergestellt.
Jeder kennt die eindrucksvollen Darstellungen Schwarzer Löcher. Die Wahrnehmung trügt allerdings: Es handelt sich dabei nicht um Fotografien, sondern Übersetzungen unterschiedlicher Daten in sichtbares Licht. Da der Bildgegenstand selbst kein Licht abgibt, kann er per Definition weder mit dem Auge gesehen noch von einer Kamera erfasst werden. Ulrike Königshofers Serie Holes of Light setzt sich mit dieser Grenze der Darstellbarkeit auseinander: Auf Basis wissenschaftlicher Modelle baut sie Schwarze Löcher als räumliche Objekte nach und fotografiert den Prozess auf der Werkbank. Auf diese Weise entstehen letztlich doch Lichtbilder dieser Himmelskörper.
Wenn wir den Himmel betrachten, sehen wir Farbe – obwohl er nur aus transparenter, farbloser Luft besteht. Seine Farbigkeit entsteht erst durch die Brechung des Sonnenlichts, ähnlich einem Regenbogen, und hängt unmittelbar von der Position zum Betrachtenden ab. Zwei bisher unbekannte Diptychen aus Königshofers erfolgreichem Fotozyklus On the Other Side of the Sky zeigen Ansichten des Himmels, die zeitgleich an zwei entfernten Orten (Wien/Triest) aufgenommen wurden, die Kameras jeweils aufeinander ausgerichtet. Geografische Koordinaten und Uhrzeiten (18:55 und 19:30) sind auf den Fotografien vermerkt.
Die Werke von Darja Shatalova basieren auf Sammlungen analoger Daten. Unterschiedliche Datensätze werden in einem aufwendigen händischen Prozess ausgewertet und verarbeitet. Anschließend transformiert die Künstlerin das Material, indem sie Zeichenebenen trennt, neu kombiniert sowie räumlich und grafisch erweitert. So entstehen Serien, die auf ihre Datengrundlagen verweisen und zugleich als autonome ästhetische Objekte bestehen.
In der aktuellen Ausstellung sind serielle Arbeiten zu sehen, denen das Prinzip der Transformation besonders deutlich zugrunde liegt. VG-TF 3.1, 3.2 & 3.3 basieren auf der Arbeit Vorübergehend von Darja Shatalova, für die Besucher:innen mittels einer codierten Zeichensprache analog erfasst wurden. I2HDNM-TF geht auf I hope he doesn’t mind zurück – tägliche Notizen zu den Höhen und Tiefen einer Beziehung. Und 24EP-TF2 entstand aus den Aufzeichnungen der Performance Das 24 Erfolgsprinzip, bei der die Besucherfrequenz in einem Fahrstuhl anhand von Türfarben dokumentiert wurde.
Die Ausstellung DOUBLE TAKE verhandelt damit Sichtbarkeit und Übersetzung – vom Kosmischen ins Fotografische, vom Persönlichen ins Räumliche. Sie macht erfahrbar, wie Daten, Wahrnehmung und Wirklichkeit ineinandergreifen.
Ulrike Königshofer, geboren 1981 in Koglhof, Steiermark. Lebt und arbeitet in Wien. Studium an der Universität für angewandte Kunst in Wien (2000-05), Ausbildung an der Ortwein Kunstgewerbeschule in Graz (1995-2000).
Darja Shatalova, geboren 1988 in Ufa (RU), aufgewachsen in Tashkent (UZ) & Köln (D), lebt und arbeitet in Wien (A). Studium an der Universität für angewandte Kunst Wien (Transmediale Kunst, Brigitte Kowanz, 2014-2019), Hochschule für bildende Künste Hamburg (Zeitbezogene Medien, Michaela Melián, 2018), Freie Universität Bozen-Bolzano (Visuelle Kommunikation, Christian Upmeier, 2012), Universität zu Köln (Mathematik und Kunst Lehramt, 2009-2014).