curated by Julika Bosch
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
Verbindung zu esel.at
Die Ausstellung Love’s Practitioner bringt Werke von Künstler*innen mehrerer Generationen zusammen, die emotionale Vertrautheit als aktive Verbindung zu anderen und Erweiterung des Selbst durch andere thematisieren. Liebe wird hierbei als körperliches und geistiges Hineindenken in das Gegenüber, als Miteinander-Denken, als kontinuierliche Fürsorge gesehen, die Beziehungen aufrechterhält und die das Können, die Grenzen und das Wohlergehen anderer in den eigenen Zustand integriert.[1]
Einige Werke verhandeln Metaphern, Symbole und emotional aufgeladene Bilder der Liebe – die Farbe Rot, weibliche Schuhe, Parfüm, Rosendornen, lackierte Fingernägel oder geheime Notizen –, ohne dabei in Klischees zu verfallen. Zwar ist Liebe stark durch vorgefertigte Bilder geprägt, doch wird sie stets völlig neu empfunden. Die Ausstellung versammelt künstlerische Positionen, die sich von stereotypen Interpretationen oder Geschlechterzuschreibungen zu befreien suchen und darauf abzielen, sich in Beziehung zu setzen.
Von Ja Jess (* 1998) und Haiqing Wang (* 1994) über Talia Chetrit (* 1982), Alice Channer (* 1977), Aurora Király (* 1970) und Iosif Király (* 1957) bis hin zu Renate Bertlmann (* 1943), Meret Oppenheim (1913–1985) und Sarah Pucci (1902–1996) entwickeln die in der Ausstellung versammelten Künstler*innen jeweils ganz eigene Bilder von Kontaktzonen: In Fotografie, Collage, Skulptur und Performance greifen sie Prozesse der Selbstwerdung und der geistigen und körperlichen Annäherung, familiäre Formen von Zuneigung oder die Weitergabe von Verbundenheit über Generationen hinweg auf. Dabei erscheint Liebe nicht als romantisches Ideal, sondern als alltägliche Praxis, die sich in Berührung, Einfühlen und Erinnerung, künstlerischer Zusammenarbeit oder im Lesen und Schreiben als Sich-aufeinander-Einlassen manifestiert. In der Hinwendung zum Fühlen, Spüren, Sich-Entsinnen wird der Vorstellung eines ultimativen kohärenten Selbst die eines lebendigen, offenen Prozesses entgegenstellt.
Zur Ausstellungseröffnung entwickelt Ja Jess eine Performance, die mit dem genetischen Textkörper einer virtuellen Befruchtung verbunden ist. Im Gesang von Jess überlagern sich DNA-Sequenzen, die für Kommunikation – für Sprache und Stimmbildung – zuständig sind.
[1] Liebe erscheint hier als eine Art der Verbindung, wie sie insbesondere Bell Hooks mit Hilfe von M. Scott Peck (und einem Echo Erich Fromms) beschreibt: „the will to extend one’s self for the purpose of nurturing one’s own or another’s spiritual growth.“ Peck aus The Road Less Traveled, 1978, zit. n. Hooks, in: All About Love. New Visions. New York 2001, S. 4. Auch der Titel entspringt einem Zitat v. Hooks, ebd., S. XX.