Club Fortuna: Besser wird's nicht
Zeitgenössische Kunst Ausstellung
Verbindung zu esel.at
Jahreskonzept 2026 flat1
“Ich mach mein Ding!”
Feminismus, Backlash, Hyperrealität
Wenn Nara Smith und Erika Lane Kirk die passive und untergeordnete Ehefrau propagieren, gleichzeitig, aber erfolgreiche Models, Influencer und im Falle von Erika Kirk NGO-Gründerin, sind, wird ersichtlich, dass Social Media nicht nur als Medium, sondern als aktiver Austragungsort feministischer Kämpfe zu verstehen ist.
Gesellschaftliche Transformationen bewegen sich immer in Wellenbewegungen mit Fortschritten und Rückschlägen. Heute erleben wir jedoch, wie sich die Amplituden vergößern. Alte Rollenmuster kehren in neuen Gewändern zurück - vom Globalismus hin zu Nationalstaatlichkeit, von Wir zum Ich, von „Tradwives“ und konservativen Geschlechterbildern bis hin zu digitalem Popfeminismus. Popfeminismus soll Selbstbestimmung über visuelle Selbstinszenierungen und Social-Media-Performances vermitteln, bleibt jedoch oft an der Oberfläche. Es gilt pars pro toto: Propagierte Befreiungsmechanismen bestätigen häufig eher unbewusst bestehende Machtstrukturen, indem sie erst recht auf die Logik des hegemonialen Blicks referieren. Judith Butlers Gedanke, dass Geschlecht nicht naturgegeben, sondern performativ ist, eröffnet eine radikale Perspektive:
Identität ist kein festes Wesen, sondern ein fortwährender Aushandlungsprozess. Doch gegenwärtig scheinen gesellschaftliche Strömungen eher in die entgegengesetzte Richtung zu weisen – hin zu erneuten Fixierungen und Zuschreibungen.
Hier stellt sich die Frage: Bedeutet Feminismus heute noch Widerstand gegen normative Rollenbilder – oder wird er im Popdiskurs auf „Ich mach mein Ding“ reduziert? Die Kulturwissenschaftlerin Sonja Eismann weist darauf hin, dass vermeintliche Selbstverwirklichung innerhalb normativer Systeme selten wirkliche Befreiung ermöglicht. Vielmehr gilt es, diese Strukturen sichtbar zu machen und zu brechen. Kunst ist dabei ein Medium, das Räume eröffnet, in denen Alternativen entworfen und bestehende Ordnungen hinterfragt werden können.
Im Hintergrund dieser Debatten steht Jean Baudrillards Theorie der Simulation: Wir leben in einer Hyperrealität, in der Zeichen sich von ihrer ursprünglichen Bedeutung gelöst haben. Realität und Abbild sind nicht mehr zu unterscheiden, gesellschaftliche Codes erscheinen referenzlos und erhalten nur durch ihre Zirkulation Bedeutung. Der Popfeminismus mit seinen Instagram-Posen oder viralen Hashtags ist Teil dieser Hyperrealität – er produziert Bilder, die Selbstermächtigung suggerieren, aber oft nur die Simulation einer Befreiung darstellen.
Für flat1 ist das Spannungsfeld zwischen feministischen Kämpfen, gesellschaftlichen Rückschritten, Kipppunkten und Hyperrealitäten das zentrale Thema des Jahres 2026.
Unser Programm stellt die Illusion linearer Fortschritte infrage: Ist der Bruch in Wahrheit die Regel, und ist das, was wir als Fortschritt begreifen, stets gefährdet, jederzeit wieder zu kippen? Welche Rolle kann Kunst dabei spielen, in einer Welt, in der Wirklichkeit und Simulation verschwimmen?