Claire Denis zum 80. Geburtstag

Die Filmgeschichte ist weiblich #4
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23 Termine
Mittwoch 8. April - Mittwoch 6. Mai
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Mi , 6. Mai
Filmreihe
Claire Denis zum 80. Geburtstag
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Retrospektive

Seit ihrem Debütfilm Ende der 1980er-Jahre steht die französische Regisseurin Claire Denis für ein Kino, das sich einfachen Kategorien entzieht. Ihre Filme bewegen sich zwischen intimen Beziehungen und größeren politischen Zusammenhängen, zwischen Realismus, Genre und poetischer Abstraktion. Körper, Räume und Atmosphären stehen im Mittelpunkt ihrer sinnlichen, oft elliptischen Erzählungen, die offen sind für Ambivalenzen. Unsere Retrospektive anlässlich ihres 80. Geburtstags lädt mit einer Auswahl ihres Spielfilmwerks dazu ein, zentrale Stationen dieses einzigartigen Werks zu entdecken.

Bodies in Motion
Claire Denis ist eine jener Filmemacherinnen, deren Werk sich nur mühselig über eindeutige Begriffe fassen lässt, und Versuche der Beschreibung dieses Werkes immer den fahlen Beigeschmack haben, der Regisseurin dahinter nicht gerecht zu werden. Zuallererst: ihre Filme entstehen aus Nähe und Distanz zugleich. Aus der Beobachtung von Körpern in Beziehung zu ihren Räumen, und wie diese sich uns im Verlauf des Sehens er- schließen. Atmosphären, Bewegungen, Texturen, Rhythmen misst sie dabei ebensoviel Bedeutung bei, wie Stringenz oder narrativen Erzählstrukturen (wenn nicht mehr). Ihre Bilder sind zart und dennoch energetisch. Oft wortkarg, aber von großer Präzision. Sie erzählen von Zugehörigkeit und Entfremdung, von kolonialen und postkolonialen Verflechtungen, von Begehren, Arbeit, Gewalt und Fürsorge. Moralische Zuweisung und Eindeutigkeit, die man in solchen Themenfeldern erwarten könnte, liegen der Filmemacherin dabei fern.

Geboren in Paris, aufgewachsen in verschiedenen afrikanischen Ländern, hat Denis früh erfahren, wie komplex Fragen von Herkunft, Macht und Blickregimen sind. Dennoch ist ihr Kino – so sagt sie selbst – nie bloße autobiografische Nacherzählung.

Es ist vielmehr ein sensibler Umgang mit Erfahrung: Wie prägt und verändert ein Ort uns? Wie verändert Nähe die Wahrnehmung? Wie lässt sich ein Gefühl filmisch ausdrücken, ohne es auszuformulieren? Meist entzieht sie sich bei der Beantwortung dieser Fragen dem klassischen Erzählen und setzt auf Fragmentierung, Ellipsen und körperliche Präsenz.

So divers und abwechslungsreich ihre Arbeit, so beständig ist die Zusammenarbeit mit bestimmten Kollaborateur:innen wie der Kamerafrau Agnès Godard, Tindersticks-Frontman Stuart A. Staples sowie den Schauspieler:innen Alex Descas, Grégoire Colin und Juliette Binoche. Man hat den Eindruck, über die Jahre ist durch diese Beständigkeit ein Kreis des Vertrauens gewonnen, der kreativ mitgewachsen ist. Es handelt sich um ein Ensemble, das ihre Art des Sehens und Zeigens versteht und ihren Weg mitgeht. Dadurch entsteht ein Kino, das zugleich intim und offen bleibt: Figuren werden weniger psychologisch ausgeleuchtet, als in ihren Bewegungen, Blicken und Brüchen erfahrbar.

Wir zeigen Denis’ Entwicklung von den frühen Auseinandersetzungen mit kolonialen Strukturen über moderne urbane Geschichten bis zu ihren Experimenten mit Genreformen und dem Vorstoßen in beinahe abstrakt spekulative Räume: anspruchsvolle und faszinierende Blicke, die Komplexität zulassen.
(Otto Römisch)

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