Animationsfilm – Widerstand – Psychoanalyse II
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Abend II
Unser zweiter Filmabend zu Animationsfilm und Psychoanalyse zeigt die Filme „The Pool or Death of a Goldfish“ von Daria Kopiec und „Paradaïz“ von Matea Radic. In Kooperation mit Tricky Women/Tricky Realities widmet sich das Sigmund Freud Museum der Verbindung von Animationsfilm und Psychoanalyse – 2026 unter dem Jahresthema „Widerstand“.
The Pool or Death of a Goldfish
Daria Kopiec, PL 2025, 14 min
Eine Tochter, gefangen in einer possessiven Beziehung zu ihrer Mutter, verwandelt sich in einen Goldfisch, während unausgesprochene Wut und Kindheitsschmerz an die Oberfläche drängen. Gesten, Schweigen und Trauer wirbeln um sie herum, enthüllen ihr Trauma und die Zerbrechlichkeit des Selbst — aber bringen auch Dinge in Bewegung.
Paradaïz
Matea Radic, CA 2025, 9 min
Willkommen an einem Ort, an dem die Häuser Löcher haben, Tomaten tickende Zeitbomben sind und Schnecken durch die Straßen wandern - auf der Suche nach einem sicheren Platz. Die in Sarajevo geborene Künstlerin nutzt groteske Animation, Archivbilder und ihre eigenen fließenden Kindheitserinnerungen, um die Bedeutung von “Zuhause” zu ergründen.
Die Psychoanalytikerin Helga Klug und die Filmwissenschaftlerin Olivia Poppe diskutieren die Filme im Anschluss an das Screening gemeinsam mit dem Publikum.
Jahresthema 2026: Widerstand
In der Psychoanalyse bezeichnet der Begriff einen Abwehrmechanismus, der sich der Bewusstwerdung verdrängter und meist unangenehmer Inhalte entgegenstellt – und damit zugleich auf verborgene Konflikte und Veränderungsprozesse verweist. Widerstand kann sich dabei als Verweigerung, als Schutz oder als Beharren zeigen, aber auch als notwendiger Hebel auf dem Weg zu Erkenntnis fungieren. Darüber hinaus ist dem Begriff „Widerstand“ eine gesellschaftliche und politische Dimension eingeschrieben: Formen des Aufbegehrens, der Opposition und der kollektiven Selbstbehauptung prägen historische wie gegenwärtige Auseinandersetzungen. Zugleich lässt sich Widerstand auch als Ausdruck von Resilienz verstehen – als Fähigkeit, Belastungen standzuhalten und Handlungsspielräume auszuloten.
Die für die Film-Reihe „Animationsfilm – Widerstand – Psychoanalyse“ ausgewählten Arbeiten nähern sich auf subtile Weise diesen unterschiedlichen Facetten des Widerstands. Im Anschluss an die Vorführungen werden diese gemeinsam mit Expertinnen der Psychoanalyse, der Kulturwissenschaften und mit dem Publikum diskutiert.
Helga Klug, MMag.a, Dr.in, arbeitet als Psychoanalytikerin in freier Praxis in Wien und ist als Lehranalytikerin, Supervisorin und Universitätslektorin an der Sigmund Freud Privatuniversität Wien und Berlin tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind psychoanalytische Gesellschaftskritik, Literatur und Psychoanalyse und Intersubjektivitätstheorien in der Psychoanalyse. Sie verfolgt dabei einen grenzüberschreitenden Diskurs zwischen unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen.
Monika Pessler, Studium der Kunstgeschichte, Kuratorische und Management-Ausbildung, Masterstudium in Organisationsentwicklung. Sie war als Kuratorin am heutigen Museum Moderner Kunst Kärnten beschäftigt, arbeitete für das zeitgenössische Kunstfestival „steirischer herbst“ und leitete von 2003-2013 die Österreichische Friedrich Kiesler Stiftung Wien. Seit 2014 ist sie Direktorin des Sigmund Freud Museums in Wien.
Olivia Poppe, MA ist aktuell Doktorandin am Institut für Germanistik der University of Berkeley. Zuvor war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Kulturgeschichte der audiovisuellen Medien im Fachbereich Theater-, Film- und Medienwissenschaft. Sie forscht zu Konzepten wie „Haunting“ und „Spektralität“ als theoretische Ansätze, um soziale und materielle Prekarität in ihren affektiven Ausdrucksformen zu untersuchen. Olivia Poppe arbeitet zu Hauntologie, Spektralwende, Film- und Medientheorie, deutschem Essayfilm, Intersektionalität, Klasse und Prekarität, sowie zu Gender- und queerer feministischer Theorie.